Die politischen Wochenmagazine des Fernsehens waren schon immer ein Stein des Anstoßes. Nicht für die Zuschauer, die diese meist scharfen Einlagen in der sonst eher faden Fernsehkost genießen, wohl aber für die Parteien. So legte sich die CDU/CSU, als sie noch an der Regierung war, Mal um Mal mit „Panorama“ an, weil sie sich in dieser Sendung unfair behandelt fühlte. Auf der Strecke blieb eine beachtliche Reihe von Moderatoren. Dem schlechten Beispiel der Union folgt nun auch die SPD. Neuerdings hat sie Gerhard Löwenthal aufs Korn genommen, den Leiter des ZDF-Magazins.

Der SPD-Abgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Willi Berkhan brachte auf der letzten Sendung des ZDF-Fernsehrates das Thema Löwenthal abermals zur Sprache. Ob er dabei die Absetzung des Moderators oder nur eine alternierende Leitung des Magazins forderte, ist dabei unwesentlich. Wesentlich ist allein die Absicht, die sich dahinter verbirgt: einen Journalisten oder dessen Vorgesetzte einzuschüchtern. Und diese Absicht muß selbst jene verstimmen, die politisch mit Löwenthal überhaupt nicht einig gehen.

Die Schüsse gegen Löwenthal lassen sich schlecht mit der vielversprechenden Erklärung vereinbaren, nach der die SPD/FDP-Koalition vor einem Jahr angetreten ist: „Das Selbstbewußtsein dieser Regierung wird sich als Toleranz zu erkennen geben. Sie wird daher auch jene Solidarität zu schätzen wissen, die sich in Kritik äußert.“ Sollte das Selbstbewußtsein der Regierung wirklich so geschwunden sein, daß sie die Angriffe eines Fernseh-Moderators nicht mehr verkraften kann? D. B.