In Stuttgart am Hang auf Grundstücken in Handtuchform

Von Ben Witter

Ich rief einen Gärtnermeister an und fragte, ihn, wo die teuersten Häuser mit parkähnlichen Gärten stehen.

„Gehen Sie erst mal den Herdweg hinauf“, empfahl er mir, „und alles Weitere findet sich. Die meisten Grundstücke haben eine sogenannte Handtuchform, und ich kann nur auf kleinstem Raum dort tätig werden. Im übrigen pflegen die Eigentümer ihre Gärten selbst, und heute ist Freitag. Wenn sie nicht im Garten sind, fegen sie Laub weg.“

Ich empfand es nicht als stillos, aufwärts zu gehen, und schwitzte, obgleich es heißt, daß man in der Eduard-Pfeiffer-Straße nicht, gehen, sondern schlendern müsse; zu ihr paßten nur erfreuliche Lebensumstände, und allenfalls höre man hinter Buchsbaumhecken Pudel bellen.

Ein Gittertor zierten vergoldete Knöpfe, weitläufig war der Besitz dahinter nicht, ich schätzte etwa 5000 Quadratmeter, zwischen Birken, Kiefern und Linden blitzten verhältnismäßig kleine Fenster. Die Gardinen waren zugezogen. Ich suchte noch mehr vergoldete Knöpfe auf Gittertoren, stand aber plötzlich vor einem Weinberg. Unten lag das neue Katharinenhospital, bettuchweiß. Auf dem Rückweg hörte ich keinen Pudel bellen. Überall raschelte es. Laub wurde weggefegt.

Wieder auf dem Herdweg, überlegte ich, ob ich in der Eduard-Pfeiffer-Straße länger hätte stehenbleiben sollen und genauer nachsehen, warum sie den Ruf hat, so vornehm zu sein. „Verweilen Sie da“, war mir nahegelegt worden, doch der Blick aufs Hospital störte und ebenso die vergoldeten Knöpfe auf dem einen Gittertor.