Von Marietta Riederer

Mit 1520 Teilnehmern aus siebzehn Ländern avancierte die Mode-Woche-München zur imposantesten Fachmesse für Mode in Europa. Zugleich hat auch die Bekleidungsindustrie ihren Schwerpunkt nach Bayern verlegt. In 1600 bayerischen Bekleidungsbetrieben werden 10 700 Mitarbeiter und 7500 Heimarbeiter beschäftigt. So macht sich in der Modebranche ein deutlicher Zug nach dem Süden bemerkbar; München wurde innerhalb von zehn Jahren zum Umschlagplätz für Bekleidung. Zweimal im Jahr werden hier gut zwanzigtausend Einkäufer aus dem Einzelhandel bedient, und während des Jahres beliefern auswärtige Firmen hier ihre Kundschaft über Handelsvertreter und in eigenen Verkaufsniederlassungen.

Der Grundstein zum Modezentrum im Südosten Münchens wurde von einem „Zugereisten“, dem Berliner Willi Althof, gelegt. Nach einem betriebseigenen Haus ließ er vier weitere Häuserblöcke für Mode errichten, und so kam, zusammen mit dem benachbarten Haus der Konfektion, München unverhofft zu seinem ersten Konfektionsviertel – ein typisches Beispiel dafür, wie wirksam preußischer Sauerteig den bayerischen Brotlaib auftreibt. Inzwischen haben Firmen aus dem ganzen Bundesgebiet ihre festen Verkaufsräume im sogenannten Modezentrum. Zur 22. Modewoche waren die Messehallen im Ausstellungspark bis auf den letzten Quadratmeter ausgebucht. Neue Aussteller können erst nach dem angekündigten Anbau auf Messestände hoffen. Große Hotels der Innenstadt wurden zu Karawansereien der Mode.

Was jetzt in München „hinter geschlossenen Türen“ gezeigt und geordert wurde, ist die Mode, die Frühjahr und Sommer nächsten Jahres in die Geschäfte kommen wird. Inzwischen haben sich die Rocklängen eingependelt. „Kniebe“ oder Mezzo, also: „das Knie umspielend“,ist die meistverlangte Länge.

Für Familie und Beruf, für alle, die nicht auffallen und nicht ihre Beine zeigen möchten, für „Muttis“ und „Omas“, kurz: für die überwältigende Mehrheit der Frauen wird eine unproblematische Mode geliefert. Die Farben sind freundlich; oft werden die Modelle ausgeputzt mit appetitlich hellen Blenden oder Metallverzierungen. Schnittreminiszenzen aus Paris oder aufgesetzte Taschen à la Valentino aus Rom setzen bescheidene Akzente mit Haute-Couture-Look. Blazer und Klubsets, gern auch mit langen Hosen kombiniert, sowie das korrekte Kostüm finden sich hier neben dem schlank machenden Kleid mit Jacke oder Mantel.

Und plötzlich wurde nun die Lady wieder entdeckt. Sie wird als Zierde der neuen Mode bemüht. Man spricht von „Lady-de-Luxe-Serien“, von „Lady-Club“ und „Lady-Kleidern“. Unter der Marke „Ladylife“, protegiert von Trevira, zeigten vier Bekleidungswerke Modelle für die sechzig Prozent unserer weiblichen Bevölkerung mit Größen von 42 aufwärts, für jugendliche Barockengel wie für stattliche Rubens-Damen.

Hier wurden zwar sogenannte schwierige Größen und Weiten einkalkuliert, aber gerade dieser Gruppe hätte man ein noch viel liebevolleres Nachdenken ebenso wie funktionellem Modelle gönnen sollen. Es geht ja doch. Daß Moden dieser Art und mit richtigen Accessoires Sehr ansprechend und überzeugend wirken können, zeigten zum Beispiel die Bekleidungswerke Otto Kärner. Hier ließ man gleich zehn junge Ladys aus London kommen, die die fünf Hauptgruppen unter der Regie von Patricia Laffen diskret tänzelnd vorführten, darunter mischte sich sehr ausgelassen eine fröhliche Gruppe mit Bessie-Becker-Modellen.