Von Ioannis Pesmazoglou

Ich benutze sehr gern die mir gebotene Möglichkeit, vor den Lesern dieser angesehenen Zeitung Probleme zu behandeln, die nicht nur das Schicksal meiner Heimat berühren, sondern auch für die westeuropäischen Völker und ihre Zusammenarbeit von großer Bedeutung sind. Am Beispiel Griechenland möchte ich aufzeigen, daß weder die Wirtschaft noch die akademischen Institutionen unter einem politischen System funktionieren können, das die Freiheit und die Demokratie verneint.

Voraussetzung für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in Griechenland ist die Wiederherstellung der Legalität und der demokratischen Institutionen. Allein die demokratischen Institutionen ermöglichen eine erhebliche Produktivität in allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens; sie bieten eine sichere Garantie für die Erfüllung aller internationalen Verpflichtungen des Staates. Wird die Beteiligung unseres Landes an den politischen Umgestaltungen in Westeuropa verzögert, so läuft das dem wirtschaftlichen und nationalen Interesse des Landes kraß zuwider; die Verzögerung hemmt die europäische Integration und schwächt die ideologische Überzeugungskraft Europas in der Welt.

Die hohe Wachstumsrate der griechischen Wirtschaft in den Jahren 1950 bis 1966 war international anerkannt. Wer absichtlich diese Wahrheit verkennt und ständig die falsche Behauptung unterbreitet, die griechische Wirtschaft habe zu Beginn des Jahres 1967 vor dem Abgrund gestanden – eine Behauptung, die das Regime immer wieder aufgestellt hat –, dient in keinem Falle den Interessen unseres Landes. An Hand eines Vergleiches zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung vor und nach der Machtergreifung ist wissenschaftlich nachzuweisen, daß das wirtschaftliche Wachstum nach 1967 deutlich nachgelassen hat.

Nach den offiziellen Angaben und den letzten Schätzungen des Regimes nähert sich die durchschnittliche Wachstumsrate der griechischen Wirtschaft in den Jahren 1966 bis 1970 dem Satz von 6,3 Prozent. Dies liegt wesentlich unter dem entsprechenden Prozentsatz von 7,6 Prozent in den Jahren 1962 bis 1966. Trotz dieser niedrigeren Wachstumsrate ist jedoch das Defizit in der Zahlungsbilanz bei den laufenden Transaktionen erheblich angestiegen. Dieses Defizit betrug im Jahre 1969 343 Millionen Dollar, im Jahre 1968 248 Millionen Dollar.

Das Defizit hat sich also um über 35 Prozent erhöht. In diesem Jahre ist mit einer weiteren Erhöhung zu rechnen. Dieses Defizit wird durch „Notmaßnahmen“ behandelt, vor allem durch Ausweitung der Lieferungskredite und durch mittelfristige Anleihen. Und das geschieht, während die langfristige Finanzierung der griechischen Wirtschaftsentwicklung durch die europäische Investitionsbank wegen der politischen Anomalie eingestellt und wichtige Regelungen des Assoziierungsabkommens zwischen Griechenland und der EWG suspendiert werden. Diese Situation ist höchst bedenklich.

Vor 1967 sah man jede öffentliche Kritik an der griechischen Wirtschaft als einen aufbauenden Faktor an. Vielleicht ist es jedoch kein Zufall, daß nun, nach 1967, diese öffentliche Kritik mit Militärgerichtsverfahren bedroht wird.