Der ehemalige CDU-Bundeswirtschaftsminister Dr. Kurt Schmücker wußte genau, was er tat, als er sich von der Agricultural Investment Corp. SA (AICSA), Panama, anheuern ließ. Er ist von Freunden gewarnt worden. Dennoch gab er in der vergangenen Woche in München den zweiten Startschuß für eine Gesellschaft, die sich verstärkt um das Geld deutscher Anleger bemühen will. Schmücker ist „Direktor“ dieses Unternehmens und gehört als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Agri Beratungs-GmbH für Vermögensanlagen und Beteiligungen (Sitz Düsseldorf) dem Aufsichtsrat der panamesischen AICSA an.

Bisher beschaffte sich die AICSA ihre Gelder. durch den Verkauf von Zertifikaten. Das soll jetzt anders werden. Künftig will sie Kommanditanteile anbieten. Man kann wohl davon ausgehen, daß dieser Wechsel nicht ganz zufällig erfolgt ist. Denn als „Funds“ hätte Agri der deutschen Auslands-Investmentfonds-Gesetzgebung unterlegen, wäre aber auf Grund seiner Konstruktion niemals vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen registriert worden.

Die Wandlung kam zum rechten Zeitpunkt, denn die Nachricht von der Nichtregistrierung hätte einen Rückfluß der Zertifikate auslösen und zu ähnlichen Erscheinungen führen können wie jetzt bei dem Gramco-Immobilienfonds Usif, der die Rücknahme seiner Anteile „vorübergehend“ aussetzen mußte.

Durch Verkäufe von Zertifikaten hat der Agri-Fund bisher nach eigenen Angaben etwa 40 Millionen Dollar eingenommen, davon sollen angeblich 30 Prozent aus der Bundesrepublik stammen. Zur Zeit werden 10 Millionen Dollar als Liquiditätsreserve gehalten, 30 Millionen stecken als Beteiligungen in Unternehmen der Ernährungswirtschaft. Das Vermögen des Agri-Fund besteht nicht in Aktien oder Grundstücken, sondern in Firmenanteilen. Daß ihre Bewertung nicht immer eine leichte Sache ist und daß dabei „Eigenwilligkeiten“ vorkommen können, wird wohl kaum bestritten werden können. Wer sich an diesem Unternehmen beteiligt, vertraut darauf, daß ihm auch ein entsprechender Gegenwert für sein Geld geboten wird. Eine exakte Kontrolle darüber ist einem Außenstehenden nicht möglich. Hier wird also Vertrauen gefordert. Mit welchem Recht eigentlich?

Der Agri-Fund sieht es in einem seiner Prospekte anders: „Wir haben uns von den Launen des Aktienmarktes unabhängig gemacht!“ Aber auch von deren Kontrolle. Sie wird übernommen von „unabhängigen Wirtschaftsprüfern“, die besonders beim Erwerb der Beteiligungen eine Rolle spielen. Es liegt in der Natur der Sache, daß auch unabhängige Wirtschaftsprüfer nicht in der Lage sind, ständig den Gegenwert der Beteiligungen festzusetzen. Bei sogenannten offenen Fonds – und nichts anderes bleibt Agri auch nach der Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft – ist das aber eine Kernfrage. Denn allzu leicht können im Fondsvermögen Beteiligungen enthalten sein, auf die man hätte abschreiben müssen, es aber aus optischen Gründen nicht getan hat. Wenn die Bewertung nur zu den jeweiligen Bilanzstichtagen geschieht, kann es vorkommen, daß neu eintretende Kommanditisten gutes Geld für schlechte Beteiligungen geben.

Deshalb bin ich der Meinung, meine verehrten Leser, daß diese Konstruktion für einen kritischen Anleger unhaltbar ist. Die Finanzierung von Beteiligungen läßt sich – wenn man korrekt denkt – nur über geschlossene Fonds oder über einen geschlossenen Kreis von Kommanditisten betreiben.

Ich überlasse es Ihnen, meine verehrten Leser, darüber nachzugrübeln, warum ein Mann wie Kurt Schmücker sich gerade in diesem Augenblick einer panamesischen Gesellschaft zur Verfügung gestellt hat. Sollte er selbst annehmen, auf diese Weise den ihm verbliebenen Rest an Publicity kapitalisieren zu können, so wird er wahrscheinlich bald merken, daß die Zeiten vorüber sind, in denen ehemalige Bundesminister mit Erfolg „exotischen“ Gesellschaften das Geld deutscher Anleger zutreiben konnten.