Kritik an der Anlagepolitik der deutschen Investmentfonds übt die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht. Sie beanstandet die hohen Barreserven der Fonds und besonders die in den Vertragsbedingungen einzelner Fonds vorgesehene Möglichkeit, Barreserven bis zu fünfzig Prozent ihres Vermögens zu halten. Die Bundesbank fragt sich, ob Fonds mit diesen hohen Barreserven noch den Wünschen der Zertifikatsbesitzer entsprechen, die Wertpapiere und nicht Bargeld besitzen wollten.

Völlig zu Recht haben die Vertreter einiger Fonds gegen diese Unterstellung protestiert. Aufgabe der Fonds sei es, das Geld ihrer Anleger möglichst gewinnbringend anzulegen. Dazu gehöre auch, etwaigen Kursverlusten durch den Verkauf von Wertpapieren vorzubeugen.

Gewiß ist nicht zu bestreiten, daß bei einer Ballung von Investmentfonds verkaufen eine Baissebewegung beschleunigt wird. Die Bundesbank kann doch aber wohl nicht im Ernst wollen, daß der kleine Investmentsparer jeder Börsenbaisse hilflos ausgeliefert bleibt, während potentere Wertpapierbesitzer wendig reagieren dürfen und dabei noch Kursgewinne kassieren? In einer Zeit, da der Wert der Ersparnisse durch einen jährlich steigenden Kaufkraftschwund vermindert wird und wir uns nach den Worten einiger führender SPD-Wirtschaftspolitiker daran gewöhnen müssen, mit einer Inflationsrate von 4 bis 5 Prozent zu leben, kommt es mehr denn je darauf an, daß das Geld so nutzbringend wie möglich verwaltet wird. Dazu brauchen die Verwalter von Fondsvermögen eben einen möglichst großen Spielraum, Kurspflege an der Börse darf nicht auf dem Rücken kleiner Leute betrieben werden. KW