Von Robert Lekachman

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Arbeitslosigkeit in den westlichen Industrieländern so gut wie verschwunden; nicht zuletzt dank der Vollbeschäftigungslehre des Briten Lord Keynes. Wir veröffentlichen einen zweiten Auszug aus dem Buch „Revolutionär des Kapitalismus“, der sich mit der Anwendung und der Weiterentwicklung der Keynesschen Thesen befaßt.

Mit dem Tag des Sieges über Japan, dem 2. September 1945, endete der erste Krieg, der nach Keynesianischen Grundsätzen geführt wurde. Beweise für diese Grundsätzen sind im Überfluß vorhanden. Die Kriegsämter analysierten Bedarf und Ressourcen mit dem Keynesschen Volkseinkommenskonzept. Sie brachten beides dann mit dem statistischen Material aus dem amerikanischen Handelsministerium in Einklang.

Aus Unternehmungen dieser Art leiteten die Ämter Grundlagen für Preis- und Rationierungskontrollen ab, die zu den erfolgreichen Maßnahmen der Kriegsplanung zählten. Wie in Großbritannien bildeten Preise, Löhne und Haushalte sowie Steuern und Kontrollen keineswegs die Maßstäbe für finanzielle Gesundheit oder nationale Zahlungsfähigkeit, sie stellten vielmehr die Instrumente für die materielle Verteilung von Menschen und Ressourcen.

Am Ende des Krieges führte die Verwurzelung Keynesianischer Denkweisen und die Erwartung der Öffentlichkeit nach fortdauernder Prosperität in vielen Ländern zu entschlossenem Handeln. Eine von den Konservativen beherrschte Koalition in Großbritannien, eine demokratische Regierung in den USA und Regierungen mit unterschiedlicher politischer Grundhaltung in Kanada, Neuseeland, Australien, Schweden und der Südafrikanischen Union bekannten sich zur nationalen Verantwortung für die Sicherung eines hohen Beschäftigungsgrades.

Im großen und ganzen fanden sich alle Regierungen mit Ausnahme der amerikanischen bereit, konkrete wirtschaftspolitische Maßnahmen und neue Regierungsstrukturen in Erwägung zu ziehen. Schwedens Planungsbehörde für öffentliche Arbeiten zum Beispiel wurde mit der Erarbeitung eines Programms für staatliche Investitionen beauftragt, das den Ausgleich von Schwankungen bei der privaten Investitionstätigkeit ermöglichte.

Die Regierungen dreier Kontinente entschlossen sich, nach mittlerweile bewährten Keynesianischen Grundsätzen Einfluß auf die Gesamtnachfrage zu nehmen, und zwar durch die Förderung des Konsums, durch die Anregung der privaten Investitionen, durch staatliche Investitionen oder durch alle drei Maßnahmen zusammen.