Von Ossip K. Flechtheim

Arnold Künzli: „Über Marx hinaus – Beiträge zur Ideologiekritik“; Verlag Rombach, Freiburg 1969; 206 Seiten, 28,– DM

Josef Hindels: „Was ist heute links? Sozialistische Strategie im Spätkapitalismus“; Europa-Verlag, Wien 1970; 192 Seiten, 12,– DM

Svetozar Stojanovic: „Kritik und Zukunft des Sozialismus“; aus dem Serbokroatischen von Fred Wagner; Reihe Hanser 41; Carl Hanser Verlag, München 1970; 222 Seiten, 9,80 DM.

Arnold Künzli, der Basler Privatdozent für die Philosophie der Politik, hat sich durch seine große Marx-Psychographie als profunder Kenner und Kritiker ausgewiesen. Sein Verhältnis zu Marx ist das eines radikalen Demokraten und humanen Sozialisten, der bei allem Verständnis für Marxens großartige historische Leistung dessen Systematisierung ablehnen muß: Ein Mardessen sei wie jede Ideologie autoritätsgebunden und wende daher doch, auch „museal“. Künzli will also über Marx hinausgehen, das heißt, ihn im Hegeischen Sinne „aufheben“:

In seiner Kritik an Marx geht Künzli davon aus, daß für Marx die Geschichte und die Zukunft im Zeichen absoluter Naturnotwendigkeit standen. Die bisherige Entwicklung hat aber bereits Marxens Zukunftsglauben hinlänglich widerlegt – um so unabweisbarer stellt sich das Problem der personalen Entscheidung eines jeden Einzelnen für die Praxis, um so dringlicher wird die sozialethisch-anthropologische Verantwortung gerade auch des Sozialisten für die Gestaltung der Welt von morgen.

Künzlis elf Beiträge stecken ein weites Feld ab: er untersucht das Verhältnis von Geschichte und Verantwortung im zeitgenössischen Marxismus, er interpretiert (doch wohl viel zu positiv!) den Maoismus, versucht sich an einer Deutung des „Opiums Nationalismus“, die sicher zu Recht negativ ausfällt. Das Verhältnis Rußlands zu Europa und die Entwicklung des Sowjetstaates seit 1917 vergleicht er synoptisch. Daneben finden sich eine Skizze zur Arbeiterselbstverwaltung in der Krise, Gedanken über den Dialog zwischen Ost und West, ein Essay über die Gegenutopie als Verkörperung des „Prinzips Verzweiflung“ und eine sehr profunde Auseinandersetzung mit Anregungen und glänzend formuliert. Die Anregungen und glänzend formuliert. Nach Überlegungen zur Problematik eines sozialistischen Humanismus kehren dann, sicherlich nicht zufällig, in den Büchern von Hindels und Stojanović wieder.