Von Hans Otto Eglau

Als Helmut Horten nach seinem Abitur verkündete, Warenhauskaufmann werden zu wollen, war sein Vater, ein angesehener Jurist, schlicht entsetzt. Er ließ seinen Sohn erst gewähren, nachdem dieser versprochen hatte, nicht im heimischen Köln, sondern 40 Kilometer weiter, bei Leonhard Tietz auf der Düsseldorfer Kö, seine Lehre zu beginnen.

Die Zeiten, in denen es in besseren Kreisen als unschicklich galt, in einem Warenhaus zu kaufen, geschweige dort zu arbeiten, sind noch gar nicht lange vorüber. Von den Nationalsozialisten wurden Warenhäuser sogar als „unerwünschte Betriebsformen“ auf die schwarze Liste gesetzt. Nach dem Krieg, als ein Absatzproblem nicht existierte, fiel dem Handel insgesamt nur eine reine Verteilerfunktion zu. Auch heute noch winken hin und wieder jobsuchende Manager desinteressiert ab, wenn sich auf ihr Inserat eine Handelsfirma anstatt ein Industrieunternehmen meldet.

Sicher ist eines: Die dominierende Figur des allein mit dem Fingerspitzengefühl entscheidenden Patriarchen ist im Handel wesentlich später in den Hintergrund getreten als in der Industrie. Das liegt nicht allein an der in dieser Branche bei weitem noch nicht so fortgeschrittenen Konzentration. Auch Handelsunternehmen mit mehreren hundert Millionen Mark Umsatz verfügen heute teilweise über eine Führung, die den Namen „Management“ kaum verdient.

Der Handel ist jedoch dabei, die Führungslücke gegenüber der Industrie zu schließen. Kein Großunternehmen des Einzelhandels kann es sich heute leisten, seine Politik allein auf die Intuition eines einzelnen zu gründen. Dazu sind die Aufgaben zu kompliziert und die Entscheidungen in ihren Konsequenzen zu risikoreich. Allein der Bau eines Warenhauses in der City einer Millionenstadt kostet heute durchweg mehr als 50 Millionen Mark. Genaue Standortanalysen, Rentabilitätsberechnungen und eine laufende Finanzkontrolle erfordern qualifizierte Spezialisten mit Hochschulstudium und praktischen Erfahrungen.

Aber auch an Einkäufer und Abteilungsleiter werden heute erhöhte Anforderungen gestellt. Die Explosion der Sortimente verlangt eine ständige Artikelselektion, immer auffälliger werden Warenhäuser und Läden zu Erlebnisbereichen, die in den Verbrauchern Wünsche wecken, die ihnen sonst vielleicht nicht bewußt würden.

Um für ihren Managernachwuchs in den Filialen mehr Abiturienten zu gewinnen, bieten Deutschlands führende Warenhauskonzerne Interessenten seit einigen Jahren eine spezielle Ausbildung zum Warenhauskaufmann an. Die als Praktikanten eingestellten Abiturienten – bei Karstadt sind es jährlich 150, beim Kaufhof 100 bis 150 und bei Horten 90 – durchlaufen nach einem fest umrissenen Programm einen Ausbildungsgang von 12 bis 18 Monaten Dauer. Die Bezahlung während dieser Zeit liegt zwischen 575 und 650 Mark. Bei Horten lernt der Praktikant in den ersten vier Monaten alle Verwaltungsabteilungen eines großen Warenhauses kennen. Während dieser Zeit erhält er einen Überblick über die 30 bis 35 verschiedenen Verkaufsabteilungen der Filiale. Nach diesen vier Monaten kann sich der Aspirant entscheiden, ob seinen Neigungen eher eine vertiefte Ausbildung in der Verwaltung oder in einer bestimmten Verkaufsabteilung entspricht. Besteht er nach zweijähriger Ausbildung die Abschlußprüfung, so ist er „Substitut“, also Stellvertreter seines Abteilungsleiters.