Reisebüros und Reiseveranstalter wurden in diesem Jahr offenbar vom starken Publikumsinteresse für Weihnachts- und Silvesterreisen überrascht. In einigen Fällen mußten die großen Veranstalter ihre Kontingente sogar aufstocken, um der Nachfrage gerecht zu werden. Interessant ist, daß die Reiselustigen zum Jahreswechsel nicht nur Erholungs- oder Sporturlaub machen wollen, sondern viel mehr Unternehmungslust zeigen, als man für diese vom Wetter meist stiefmütterlich behandelte Jahreszeit vermutet.

Städtereisen stehen besonders hoch im Kurs. Eine Busreise nach Paris (27. Dezember bis Januar) ab Düsseldorf oder Köln wird bereits für 343 Mark angeboten (Dr. Tigges Fahrten, Wuppertal); Hummel-Reisen, Hannover, bietet „Silvester in Stockholm“ (30. Dezember bis 4. Januar) für 450 Mark an. Touropa hat sogar einen Sonderprospekt für Silvesterfahrten herausgebracht: Wien, Paris und Budapest werden als Bahnreiseziele angeboten, und per Flugzeug geht es vom 26. Dezember bis zum 3. Januar nach Moskau (ab 675 Mark mit Vollpension). Dieses Moskau-Programm läuft unter dem Titel „Russischer Winter“. Es ist ein ausgezeichnetes Besichtigungs- und Kulturprogramm: Besuch des Kreml, der Allunionsausstellung (einer Leistungsschau aus allen Bereichen der UdSSR) und der Basilius-Kathedrale, ferner je ein Ballett- und Opernabend im Bolschoi-Theater und Darbietungen russischer Volkstanzensembles.

Das größte Rußlandangebot für die Feiertage legt Intratours, Berlin und Hamburg, vor. Dieses Spezialbüro für Ostreisen stellt zur Wahl: vier bis acht Tage Moskau ab 483 Mark (Flug Frankfurt–Moskau) oder auch eine Acht-Tage-Flugreise nach Moskau und Irkutsk (26. Dezember bis 2. Januar, 1093 Mark). Von Irkutsk geht es mit dem Schlitten zu einer Taiga-Party in sibirischer Kälte. Übrigens, bei allen Intratours-Angeboten sind mindestens zwei Theaterbesuche im Preis enthalten.

Freilich gibt es auch für Silvesterreisende mit kleinerem Etat verlockende Angebote: In Berlin bieten zahlreiche Hotels Pauschalarrangements für die Feiertage an. Beispielsweise kostet es „nur“ 189 Mark, um sich einmal im Hilton Hotel als Jet-Setter fühlen zu dürfen, denn soviel bezahlt man für einen Drei-Tage-Aufenthalt (31. Dezember bis 3. Januar) bei Halbpension. Der Hilton-Urlauber darf auch am großen Silvesterball und an einer Stadtrundfahrt teilnehmen.

Auch die Reedereien haben ein umfängliches Feiertagsprogramm vorrätig. Freilich für viele Kreuzfahrten sind die Schiffe schon fast ausgebucht, aber vielleicht hat man Glück auf der Warteliste. Wem es am nötigen Kleingeld für eine Kreuzfahrt auf einem Passagier-Liner fehlt (die meisten treffen sich an Silvester vor Madeira), der kann auch auf kleineren Schiffen Kreuzfahrt-Atmosphäre atmen: Viele Fährschiffe verkehren auch zu Weihnachten und Silvester. Die Reeder haben sich etwas einfallen lassen, um zu dieser Zeit Passagiere auf ihre Schiffe zu locken. Zum Beispiel lädt die Stena Line, die mit der „Stena-Germanica“ ganzjährig die Route Kiel–Göteborg befährt, zu einer Silvesterfeier an Bord ein. Der Preis für dieses Drei-Tage-Vergnügen beträgt ab 139 Mark.

Wer eine Reise zum Jahresende plant, sei es zu Wasser, zu Lande oder in der Luft, sollte bald zum Reisebüro gehen, wenn er nicht Gefahr laufen will, daß die einzige Antwort auf seine Fragen lautet: „Ausverkauft!“ -ei