Die griechische Militärdiktatur rühmt sich, sie habe dem Volk der Hellenen die wahre Demokratie beschert und den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes eingeleitet. Beide Behauptungen werden in dem folgenden Artikel, der uns aus Athen erreichte, von einem der hervorragenden Wirtschaftsexperten Griechenlands entkräftet.

Der Verfasser, Professor Dr. Pesmazoglou, leitete die griechische Delegation bei den Verhandlungen über eine Assoziierung mit der EWG. Nach dem Militärputsch vom April 1967 verzichtete er auf seine Stellung als Vizegouverneur der Bank von Griechenland und auf alle seine öffentlichen Ämter. Seine Professur gab er jedoch nicht auf, vielmehr nahm er sich als akademischer Lehrer weiterhin die Freiheit, seine Meinung zu sagen. Deshalb wurde er zeitweilig suspendiert.

Anfang dieses Jahres ist ein Disziplinarverfahren gegen Pesmazoglou eingeleitet worden. Das Regime beschuldigt ihn der „politischen Lästerei“; er habe seinem Land durch Äußerungen im Ausland geschadet und sich außerdem über die wirtschaftliche Entwicklung und über hochschulpolitische Fragen derart ausgelassen, daß in der Öffentlichkeit „falsche“ Eindrücke entstehen könnten.

Inzwischen ist seine dreijährige Professur abgelaufen. Trotz sicherer Chancen entschloß sich Pesmazoglou, sich nicht um eine Professur auf Lebenszeit zu bewerben, da er eine Ernennung durch das Regime nicht annehmen will. Daraufhin wurde das Disziplinarverfahren auf unbestimmte Zeit eingestellt. Gegen diesen Beschluß hat er Anfechtungsklage vor dem höchsten Verwaltungsgericht erhoben, da er sich unbedingt gegen die Vorwürfe verteidigen will.