Minderheiten-Ferien

Daß unsere Ferienordnung chaotisch und widersinnig ist, wurde an dieser Stelle schon ausführlich erörtert (siehe ZEIT Nr. 37). Die Herbstferien, die in einigen Bundesländern gerade zu Ende gingen, in anderen noch über die nächste Woche hinaus andauern, sind ein besonders typisches Beispiel für die gedankenlose Ferienplanung der Kultusminister. In Nordrhein-Westfalen war das neue Schuljahr sage und schreibe ganze sechs Wochen im Gange, dann wurden die Kinder bereits wieder eine Woche in die „Kartoffelferien“ geschickt. In anderen Bundesländern (außer Baden-Württemberg, Bayern und, Hessen, die keine Herbstferien kennen) war es nicht viel anders. Mehr als acht Wochen lagen fast nirgendwo zwischen dem Ende der großen Ferien und den Herbstferien. Sind unsere Schulkinder nach so kurzer Zeit bereits wieder erholungsbedürftig? Das ist das eine.

Schlimmer ist, daß für die meisten Eltern und Kinder diese Herbstferien verschenkt sind. Es gibt nur wenige Familien, die sich nach mehr oder weniger kostspieligen Sommerferien ein paar Wochen später schon wieder eine Urlaubsreise leisten können, ganz abgesehen davon, daß mindestens ein Elternteil in der Regel gar nicht über so viel tariflichen Urlaub verfügt. So verreisen denn meistens nur die älteren Schüler, die über 17jährigen, eine kleine Minderheit, alle anderen bleiben zu ’Hause. So betrachtet sind diese Herbstferien in der Tat reine Minderheiten-Ferien.

Was im Herbst von den Kultusministern für recht und billig gehalten wird, gilt freilich nicht für den Winter. Hier fordert schon lange eine weitaus größere Minderheit vernünftige Termine für Skiferien. Außer der Hamburger Schulbehörde hat aber noch kein Kultusminister für diesen berechtigten Wunsch Verständnis gezeigt. Skiferien sind der Gesundheit förderlicher als Sommerferien, auf jeden Fall sind sie sinnvoller als Herbstferien, die ganze sechs Wochen nach den großen Ferien das Schuljahr unnötigerweise unterbrechen. F. R.

Bürokraten in Berlin

Vielleicht ist die mangelnde Koordination zwischen der Polnischen Militärmission in Berlin und dem staatlichen polnischen Reisebüro „Orbis“ in Warschau daran schuld, daß sich noch nicht alle Erwartungen erfüllt haben, die die Reiseveranstalter in ihre neuen Polen-Programme setzen. Die größten Schwierigkeiten gibt es noch immer bei der Bearbeitung der Visaanträge. Oft kommen Einreisevermerke erst einen Tag vor dem Abreisetermin, manchmal kommen sie gar nicht mehr rechtzeitig.

Airtours international zog die Konsequenzen. Das Reiseunternehmen veranstaltet bis auf weiteres keine Gruppenreisen mehr nach Polen und hofft darauf, daß vom nächsten Jahr an die Einreiseformalitäten vereinfacht werden.