Wintersport und internationale Begegnungen – unter diesem Motto bieten die Jugend- und Studenten-Reisedienste die attraktivsten Skiferien der Saison an. Das Bundesfamilienministerium gibt für solche Reisen beträchtliche Zuschüsse, deshalb sind sie besonders billig. Wer sich einer dieser Reisegruppen anschließt, wird sich zwar nicht in einem komfortablen Wintersporthotel wiederfinden, dafür aber in einer Gruppe von jungen Leuten aus mehreren Nationen. "Skifahren und Völkerverständigung" finden statt im Kaukasus, in der Hohen und Niederen Tatra, im Riesengebirge, in Hochsavoyen, in den Pyrenäen, in den bayerischen Alpen, im Allgäu und im Schwarzwald.

Nicht alle Jugendreiseveranstalter kommen gleichermaßen in den Genuß staatlicher Zuschüsse. Beim Deutschen Studenten-Reisedienst (dsr) beispielsweise sieht man nicht ohne Neid auf die Deutsche Gesellschaft für internationalen Jugendaustausch. Sie kann mit Hilfe öffentlicher Mittel sieben französische Wintersportorte zu erstaunlichen Preisen in ihrem "Begegnungsprogramm" führen. Der dsr hat dagegen nur zwei französische Skiorte ohne Begegnungsprogramm zu normalen Preisen in seinem Prospekt. "Einige haben eben bessere Drähte, wenn es um die Subventionen geht", hört man von den Studenten-Reisen. "Nirgendwo in Europa", so bedauert man gleichzeitig, "gibt es so phantastische Skigebiete und so moderne Pisten wie in Frankreich, aber preislich können wir da für unsere Kunden nicht mithalten."

Dafür hat der dsr nach wie vor Campitello, das "Cala Figuera" des Winters, als Trumpfkarte. Hier und im übrigen Fassatal haben sich inzwischen fast alle Jugendreiseveranstalter angesiedelt.

Ansonsten unterscheiden sich die Skiangebote der Jugendreiseveranstalter nicht wesentlich von den Offerten des übrigen Marktes. Man hat in Unterkünften aller Preisklassen bestimmte Kontingente belegt, damit die jungen Leute "unter sich sein können". Als einziger Veranstalter bieten cvjm-reisen Skiferien in Norwegen an.

Einiges Aufsehen machte dieser Tage ein Rechtsgutachten, das die Deutsche Gesellschaft für internationalen Jugendaustausch bei fünf Bonner Anwälten in Auftrag gegeben hatte. Sie sollten die Frage prüfen, ob die Vermittlung von Doppelzimmern an jugendliche Urlauber nach der heutigen Rechtsprechung zulässig sei. Der Bescheid der Rechtsgelehrten fiel für die Doppelzimmeranwärter negativ aus. Eine süddeutsche Tageszeitung gab der diesbezüglichen Meldung die etwas schadenfrohe Überschrift "Jugendreisebüros erfüllen keine Sexwünsche".

Wenn man es freilich recht bedenkt, dann muß man die jungen Leute, die da nach Doppelzimmern streben, eigentlich loben. Ihr Verhalten verrät gute Erziehung, Traditionsbewußtsein, Takt, hohe Moral und Gefühl für Stil- und Lebensart, denn in einem Einzelzimmer tun sie’s nicht. Ferdinand Ranft