Tanz auf Pisten und die neuesten Hits in Almstuben Von Gert Kreyssig

Das totale Wintersport-Pauschalarrangement, das neben Betty Vollpension, Skipaß, Mini-Skikurs, Hallenbad- und Eisplatzbenutzung auch pro Woche eine Sexparty umfaßt, zeigt sich erstaunlicherweise noch nicht auf dem Markt. Aber immerhin ist außer der Fondueparty (im Prominenten-Schneenest Gstaad im Berner Oberland) jetzt auch ein Tanzkurs in der Ski-Pauschale inbegriffen (in Grindelwald, ebenfalls im Berner Oberland).

Die Eidgenossen, wahre Meister im Zusammenstellen von „All-in-Arrangements“, lassen sich auch in der Schneesaison 70/71 auf diesem Gebiet nicht schlagen. Grindelwald präsentiert beispielsweise außer der Wedel-Tanz-Kombination ein Curling-Angebot, 6 Tage Unterricht, Miete für Steine und Besen inbegriffen, 200 bis 400 Franken. In Klosters (Graubünden) ist bei den Januar-Mini-Skiwochen auch die Kurzski-Miete eingeschlossen (315 bis 355 Franken), und Chateau-d’Oex (Waadtland) führt sehr vernünftig abgestufte Arrangements ein für Anfänger (mit Skischule), für gute Skifahrer (mit Abonnement für 40 Aufzüge in der Region) und für Nichtskifahrer (mit Curling, Eislaufen und Reiten). Wer in Davos vor Weihnachten oder im „Januarloch“ wedelt, braucht fürs Sportabonnement statt 140 nur 100 Franken zu bezahlen.

Sein Debüt in der Nomenklatur der Schneeplätze gibt der Kurort Interlaken (567 m), der zwar keine Pisten unmittelbar vor der Haustür, indes aber keine Unterkunftsprobleme (1295 Hotelbetten) und vier Dancings („die neuesten Hits, die neuesten Tänze“) hat und zur „Drehscheibe zu den Wintersportplätzen des Jungfraugebietes“ werden will. Kurzum ein „Skipolygon“, in dem 28 verschiedene Arrangements (zwischen 51 und 487 Franken) für Exkursionen auf die nahen Musterpisten zwischen First, Kleine Scheidegg, Mürren und Beatenberg angeboten werden. Freilich, auch im bayerischen Allgäu kann man neuerdings zu Pauschalpreisen nächtigen und dazu etwa einen Skibobkurs (Oberstdorf) absolvieren, als Flitterpaar oder Jubiläumshochzeiter diverse Vorteile entgegennehmen (ebenfalls Oberstdorf) oder in Schwangau das Arrangement „Winterurlaub im Dorf der Königsschlösser“ (eine Woche, Schlösserbesichtigung inklusive, zwischen 101,50 und 197,50 Mark) buchen.

Theoretisch steht fest, daß dieser Winter 1970/71 so früh wie noch nie beginnt. Jedenfalls hoffen das viele Wintersportplätze. Aus der kleinen Zahl sportlich-exklusiver vorweihnachtlicher Wedelkurse ist im großen Skiboom plötzlich eine Lawine geworden. Die Schweiz legt eine Liste mit fast 30 Orten vor, die bereits Ende November, vor allem aber in den zwei Wochen vor Weihnachten den Schnee- und Skikursbetrieb offiziell eröffnen. Auf der Zugspitze will schon von Ende Oktober an die Skischule Garmisch-Partenkirchen ihre ersten Kunden trainieren, Val d’Isère in den französischen Alpen und Sterzing in Südtirol rufen zum Frühstart, und in Österreich wollen neuerdings sogar 52 Plätze den Saisonbeginn vorverlegen. Einigen wenigen mit schneesicherem Höhengebiet wird dies ge.ingen, viele sind von der launischen Lieferung des weißen Teppichs abhängig.

Das Drahtseilnetz, das sich über die alpinen Skihänge spannt und bereits rund 6000 Aufzüge aller Art umfaßt, ist erneut engmaschiger geworden. Neue Höhenrekorde sind allerdings nicht zu vermelden. Den Größenrekord halten die neuen, omnibusähnlichen 125-Personen-Gondeln der Luftseilbahn von Laax (1080 m) bei Flims (Graubünden) zum Crap S. Gion (2215 m) und von Hoch-Ybrig, dem neuerschlossenen Skigebiet nahe Zürich. In der Schweiz werdet rund 30 neue Gondel-, Sessel- und Skiaufzüge in Betrieb genommen, davon allein je drei in Zermatt und in Wildhaus (Obertoggenburg) und je zwei in San Bernardino (1600 m, am Südportal des Bernardino-Straßentunnels), Schuls und Pontresina.

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