Nach der Devise: Billig, aber doch etwas Besonderes, werden die Deutschen zu einem Volk von Kunstsammlern umfunktioniert. Schrittmacherdienste leistet dabei der Poster-Boom, der als Billig-Markt eine Art Schlüsselposition einnimmt.

Von Unsicherheit und Spekulationswilligkeit "breiter Kreise" sollte nun ein Unternehmen profitieren, das beim Kunsthandel Empörung, beim Lizenzgeber zuerst Betretenheit, dann Aktivität und bei gutgläubigen Sammlern Verwirrung ausgelöst hat: Es handelt sich um den Versuch, die sogenannte 3. Stufe der Olympiaplakate, die nun als – übrigens ausgezeichnete – Mehrfarbendrucke in den Handel kommen, in den Rang von "Originalplakaten" hochzustilisieren. "Art Posters International", der von der Edition Olympia die Alleinvertriebsrechte überlassen wurden (der Vertreter bietet bis zu 65 Prozent Rabatt an – das Geschäft hätten die Olympioniken auch selber machen können), läßt einen Prospekt zirkulieren, der mit irreführender Information gespickt ist: Der Käufer erhält das drucktechnische Signalement der signierten Graphik ("20-farbige Lithographie"), der Begleittext preist die in hohen Auflagen hergestellten Offsetdrucke als "außergewöhnliche Plakate" (die erste Serie war bekanntlich ziemlich mies) mit jährlich steigendem Wert an. Auf die Drucktechnik bezogen, eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, was den steigenden Wert betrifft, eine Irreführung: Dieser sinkt mit jedem gedruckten Plakat – und die Edition Olympia wird soviel wie möglich drucken, da der Plakaterlös einen Teil der Werbekosten des Olympischen Komitees decken soll...

Da das übrige Poster-Angebot der Firma genau spezifiziert ist, scheint eine versehentliche Hochstapelei wenig wahrscheinlich. Man wollte eben nur mal tüchtig ins Geschäft einsteigen – welcher Zweck bekanntlich die Mittel heiligt.

Die Leidtragenden, die nicht zu Unrecht um ihr Image fürchten, sitzen in München: Die Edition Olympia, welche vergessen hat, sich den Werbetext vorlegen zu lassen, versucht mit allen Mitteln, den Poster-Tiefschlag rückgängig zu machen (notfalls Vertragslösung, brav), ungeschehen machen kann sie ihn nicht. Das Porzellan ist zerteppert – eine gekittete Sèvres-Vase ist nicht mehr soviel wert. Helmut Schneider