München

Der CSU-Parteitag in München hatte sein Symbol. Franz Josef Strauß ließ dem sichtlich erschrockenen bayerischen Ministerpräsidenten, Alfons Goppel, ein vier Monate altes Löwenbaby überreichen. Doch es war nicht das starke bayerische Wappentier, das mit wuchtigen Pranken auf dem weiß-blauen Schild herumtappt. Der Mini-Löwe fauchte zwar laut und kräftig, schlug ein paar Gläser vom Podiumstisch – Furcht freilich flößte er niemandem ein.

So auch die christlich-soziale Heerschau. Ihr Wahlkampfauftakt war zwar laut, aber zugleich lahm: Wo sich Parteitagsgäste wie Kurt Georg Kiesinger und Rainer Barzel zu rhetorischen Höhenflügen steigerten, blieb der Beifall matt, wo Franz Josef Strauß die Parteipalette um neue Farbtupfer erweiterte („Christlich und sozial bedeutet in der richtigen. Auslegung auch national und liberal“), gestattete sich Hermann Höcherl ein Nickerchen.

Nur draußen im Land mag bei dem düsteren Gemälde, das von der Bonner SPD/FDP-Koalition gezeichnet wurde, so mancher wankelmütige Wähler erschrocken sein. Kiesinger konstatierte ein „Kabinett der Dilettanten“ und bezeichnete jeden Tag, an dem die Bonner Regierung länger im Amt sei, als ein Unglück. Die bayerische Landtagswahl am 22. November sollte deshalb für die Unionsparteien wieder das Glück des Regierens näherbringen. Die Stoßrichtung gegen SPD und FDP liegt fest: „Die überflüssige FDP“, so Strauß, müsse aus dem bayerischen Parlament ferngehalten werden, für die SPD hält man die Rolle des sozialistischen Schreckgespenstes parat.

Während Ehrengast und CSU- Neuling Herinz Starke, seit acht Tagen EDP-Abtrünniger beifällig nicht aks Strab eine Perei als Liberals und nationale Sammelbewegung“ pries. rutschte CSU-Hospitant Siegfried Zoglmann unruhig auf seinem Sessel herum: Der NLA-Gründer möchte die national-liberale Fahne doch lieber, allein schwenken. Zoglmann und Starke aber dienten auf dem CSU-Parteitag ohne Diskussion und Wahlen nur als Staffage: Die Öffnung nach rechts soll der CSU zu einem imposanten Wahlsieg verhelfen. Dann aber könnte Strauß auf der Bonner Bühne im Falle einer Regierungskrise den „Kanzlermacher“ spielen. Die Münchner Parole hieß deshalb am Wochenende: Sammeln für Strauß. sbr.