Ohne Glanz und Feierlichkeit begannen die Vereinten Nationen die zehntägige Vollversammlung aus Anlaß ihres 25jährigen Bestehens. Die ohnehin nur mäßig interessierte Öffentlichkeit wurde durch über 8000 Sicherheitsbeamte und Polizisten, durch Straßensperren und scharfe Kontrollen vom New Yorker UN-Gebäude am East-River ferngehalten. Zur Eröffnungssitzung Mitte voriger Woche waren zwar rund 50 Staats- und Regierungschefs der 127 Mitgliedsstaaten gekommen, aber die großen Staaten ließen sich nur von ihren Außenministern vertreten. Von den kleinen Staaten nahmen nicht einmal alle Delegationen an der Sitzung teil.

Die Reihe der 90 vorgesehenen Reden eröffnete Kanadas Außenminister Sharp mit einer kritischen Bilanz der 25 UN-Jahre. Der Präsident der Vollversammlung, der norwegische UN-Botschafter Edvard Hambro, forderte dringend „neue Impulse für den Frieden in der Welt“. Skepsis, Ernüchterung und Enttäuschung prägten auch die weiteren Reden, in denen besonders kleine und junge Staaten das Versagen der Großmächte anprangerten. Die meisten Redner beschränkten sich jedoch auf konventionelle, ja steife Huldigungsadressen.

Schon zum Auftakt hatte es Streit gegeben, als gegen die Stimmen der USA, Großbritanniens, Australiens, Neuseelands und Südafrikas die Vollversammlung ein „Aktionsprogramm gegen Kolonialismus“ billigte. Darin werden Sanktionen gegen Südafrika, Rhodesien und Portugal verlangt. Die Nato-Länder werden beschuldigt, eine Entkolonialisierung zu behindern.

Nicht minder heftig prallten im Politischen Ausschuß die Meinungen gegeneinander. Eine Arbeitsgruppe bemüht sich dort, aus vier Tendenzen den Text eines Aufrufe zur Stärkung der internationalen Sicherheit zusammenzubauen. Weitere Auseinandersetzungen gab es um die arabische Absicht, eine große Nahost-Debatte mit anschließender Verurteilung Israels durchzusetzen. Anonyme Morddrohungen gegen 14 arabische UN-Botschafter trugen dazu bei, das Klima zu verschlechtern. Den Vereinigten Staaten wurde von arabischer Seite vorgeworfen, eine friedliche Regelung im Nahen Osten zu hintertreiben.