Commerzbank und Credit Lyonnais haben sich entschlossen, künftig eine Kooperation zu betreiben, die enger sein soll als jede bisher zwischen europäischen Banken eingegangene Verbindung. Sie verzichten darauf, sich in ihren Heimatländern gegenseitig Konkurrenz zu machen. Sie wollen ihre In- und Auslandsfilialen auch den Kunden des Partners zur Verfügung stellen, sich in Fragen der Finanzierung gegenseitig konsultieren und schließlich gemeinsam ein internationales Banknetz aufbauen.

Auch die anderen beiden deutschen Großbanken haben bisher gezögert, in den EWG-Ländern, in London oder in den USA eigene Filialen zu gründen. Das hat nicht nur mit dem Risiko zu tun, das sie jedesmal nach den beiden Weltkriegen schmerzlich zu spüren bekamen, sondern auch mit der Erkenntnis, daß für das Kreditgewerbe Kooperation im Auslandsgeschäft heute besser ist als jeder Alleingang.

Wenn die französische Regierung (Credit Lyonnais ist im Staatsbesitz) dem Abkommen bereitwillig zugestimmt hat, dann mag dabei die Absicht eine Rolle gespielt haben, auf diese Weise den Finanzplatz Paris aufzuwerten, ehe in der größeren EWG der Kampf zwischen London und Paris auf diesem Felde ausgefochten werden muß. Für die Commerzbank als kleinerem Partner dieses Abkommens wäre es fatal, wenn man deshalb in London den Kooperationsvertrag als eine Kampfansage verstehen würde. Um so wichtiger wird es für die Commerzbank sein, dem Abkommen, das nach dem Willen seiner Initiatoren anderen Banken offensteht, möglichst rasch einen potenten englischen Partner hinzuzugewinnen. KW