Gabriel Laub: „Enthüllung des nackten Kaisers.“ Von den 34 Satiren dieses Buches ist die kürzeste eine Seite, die längste zehn Seiten lang. Sie sind nach Begriffen lexikographisch geordnet, von A wie „Aufrichtigkeit“ bis Z wie „Zitat“. Da der Autor, 1928 in Polen geboren, früher Prager heute Hamburger, überzeugt ist, daß edle Begriffe wie „Wahrheit“, „Vernunft“, „Gerechtigkeit“ oder „Nationalität“ sich im Leben selber ausreichend verhöhnen, versuchte er sie nicht mehr durch Analyse lächerlich zu machen, vielmehr durch das Lächerliche zu analysieren. Ungefähr die Hälfte dieses Buches wurde noch in der Tschechoslowakei geschrieben, die andere in Deutschland, in den zwei Jahren nach dem 21. August 1968, fünf davon schon auf deutsch. Manche Satiren sind politisch scharf, zum Beispiel „Das Recht, dick zu sein“ mit dem Aufruf: „Dicke aller Gewichte, vereinigt Euch zur Verteidigung Eurer Rechte!“ Die, die den politischen Themen gewidmet sind, beschäftigen sich mehr mit der menschlichen Dummheit und enthalten meistens keine Aufrufe. „Enthüllung des nackten Kaisers“ ist Laubs zweites Buch in deutscher Sprache. Seine Aphorismensammlung „Verärgerte Logik“ erschien 1969 in der Reihe Hanser und liegt inzwischen in der dritten Auflage vor. (Ausstattung von Ali Schindehütte; Carl Hanser Verlag, München; 152 S., 9,80 DM.)