Unter strengen Sicherheitsmaßnahmen wählte der chilenische Kongreß am Wochenende den Marxisten Salvador Allende zum neuen Präsidenten. Für Allende stimmten 135 Vertreter der Volksfrontparteien und der Christlichen Demokraten. Der konservative Gegenkandidat Jorge Alessandri erhielt 35 Stimmen.

Der 62jährige Allende wird sein Amt am 3. November antreten. Mit ihm ist zum erstenmal ein frei gewähltes marxistisches Staatsoberhaupt in Lateinamerika an die Macht gekommen. Für Allende war es aber der dritte Versuch, die Präsidentschaft zu erlangen.

Zwei Tage vor der Abstimmung war auf den Oberbefehlshaber der Streitkräfte Chiles, General René Schneider, ein Attentat verübt worden, dem der 57jährige Offizier drei Tage später erlag. Nach zahlreichen Verhaftungen steht fest, daß rechtsextremistische Kreise für den Mord verantwortlich sind.

Obwohl alle Parteien den Versicherungen Allendes, er werde die demokratischen Rechte wahren, Vertrauen schenken, hat sein Regierungsprogramm in Wirtschaftskreisen Unruhe ausgelöst. Allende will alle für die Entwicklung Chiles wichtigen Industrien verstaatlichen und eine verschärfte Bodenreform durchführen. Schon nach der Volksabstimmung im 4. September, bei der er die relative Mehrheit errang, war es zu einer Kapialflucht gekommen.

Allendes anspruchsvolles Programm ist ohne eine beachtliche Ausweitung des Exports nicht zu verwirklichen; Verstaatlichungen würden aber hauptsächlich den wichtigsten Geschäftspartner, die Vereinigten Staaten, treffen.