Die Finanzgesetzgebung weiß nicht recht, wo hin mit den Schriftstellern. Sie klassifiziert (und besteuert!) sie als freie Unternehmer. Das mag so für den Finanzgesetzgeber am einfachstensein. Für den Schriftsteller ist es eine Quelle immer neuer Verzweiflungen. Er ist rings umgeben von Institutionen, die sich Leute anstellen, welche genau das können, was ihm selber selten gegeben ist: mit Zahlen umgehen und dadurch auf ihren Vorteil bedacht sein. Verlage, Rundfunkanstalten und Finanzämter überhäufen den Schriftsteller, der sich niemanden anstellen kann, mit Formularen, Abrechnungen, Verträgen und Forderungen, die dadurch nicht einfacher zu handhaben werden, daß sie in Ansatz und Ausdrucksweise auf einen mittleren Industriebetrieb zugeschnitten sind.

Für viele Geplagte antwortete Martin Beheim-Schwarzbach dem Finanzamt:

Ich habe mich bislang ehrlich bemüht, aus der Praxis und Ausdrucksweise der Finanzbehörden klug zu werden. Aber vor dem Formular, mit dem uns aufgegeben wird, unsere Umsatzsteuer künftig, selber, auszurechnen, vierteljährlich anzuzeigen und vierteljährlich vorauszuzahlen, strecke ich die Waffen.

Abgesehen von der Abstrusität, ganz unregelmäßig verdienende freie Schriftsteller als „Unternehmer“ zu behandeln, sehe ich es als eine starke Zumutung an, mir mit Formulierungen zu kommen, zu deren Aufhellung ich eines bezahlten Steuerberaters bedarf. Die Nötigung, solche hinzuzuziehen, scheint zu den besonderen Absichten des Steuergesetzgebers zu gehören, der es offenbar nicht lernen kann, sich verständlich auszudrücken. Wenn richtige Unternehmer und Betriebe sich Steuerberater und gewitzte Rechtsbeistände leisten können, so kann es ein von der Hand in den Mund lebender Künstler noch lange nicht.

Es fängt gleich damit an, daß ich den „Gesamtbetrag der vereinnahmten Entgelte zuzüglich Steuer (Isteinnahmen)“ sowie alsdann den „Eigenverbrauch zuzüglich Steuer“ angeben soll. Die Unlogik liegt auf der Hand: Steuern, die man bezahlt, sind doch wohl keine vereinnahmten Entgelte, welch beides man nun zusammenzählen soll. Und was „Isteinnahmen“ sind, finde ich in keinem Lexikon.

Daß man den eigenen Schuldbetrag auch noch selber ausrechnen soll, mutet als Hohn an. Dies wäre doch wohl die Obliegenheit des Gläubigers.

Das ganze Formular mit seinem Fachchinesisch schließt mit der Aufforderung, zu versichern, daß ich die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht habe. – Meines besten Gewissens will ich das Finanzamt gern versichern, meines besten Wissens aber nicht. Schon aus diesem Grund kann ich die Unterschrift nicht leisten.

Martin Beheim-Schwarzbach