Die Diskussion um die Folterungen und Polizeimethoden in Brasilien hält an. Auf der ersten Sitzung des „Deutschen Forums für Entwicklungspolitik“ hielt der streitbare brasilianische Erzbischof Camara das Hauptreferat. Er bezeichnete den internen Kolonialismus und den externen Neo-Kolonialismus als die Hauptentwicklungsfeinde der armen Länder. Ein ganz besonders beklagenswertes Kapitel seines Landes nannte Camara die Folterungen: „Ohne Gerechtigkeit ist der Friede unmöglich!“

Damit unterstrich er Äußerungen von Papst Paul VI., der sich sehr entschieden gegen die Gewalttätigkeit und Unterdrückung speziell in einem nicht näher genannten katholischen Land ausgesprochen hatte, das – so Paul VI. – „wir für eine Demokratie gehalten haben“.

Da die Ansprache später ins Portugiesische übersetzt wurde, besteht kaum ein Zweifel, daß der Papst Brasilien gemeint hat. Dagegen hat das von Paul VI. in ein hohes vatikanisches Amt berufene Oberhaupt der brasilianischen Kirche, Kardinal Rossi nach einem Rom-Besuch versichert, der Papst wisse die „aufrichtigen und christlichen Bemühungen“ der Regierung in Rio um die „Entwicklung der Nation“ zu schätzen.