Die Franzosen sind entschlossen, die britische Luftfahrtindustrie zu zerstören.“ Das, so vermutet die britische Zeitung Observer steckt hinter der Pariser „Einladung“, London möge doch wieder dem europäischen Airbus-Konsortium beitreten und auf die Entwicklung des eigenen Kurzstrecken-Jumbos BAC-3-11 verzichten. Rechtzeitig zu den neuen Pariser Gesprächen warnte das Blatt: Kurzfristig könne man zwar sparen, doch langfristig wäre diese Kehrtwendung nach dem Austritt im Frühling 1969, nachdem nur noch Hawker Siddeley mit Konstruktionsaufgaben von britischer Seite an dem Projekt partizipierte, das Todesurteil – für die Britische Aircraft Corporation und noch eher für Rolls-Royce.

Zweifellos haben die übriggebliebenen Airbus-Projektierer – Bundesrepublik und Frankreich, denen sich nach Englands Resignation Holland anschließt – richtig gerechnet: Heath neue Regierung will die Staatsausgaben kürzen, hat aber allein im Flugzeugbau zu viele Millionenprojekte laufen. Die umstrittene Concorde wird noch mindestens 165 Millionen Pfund kosten; 50 Millionen Pfund braucht Rolls-Royce für die Entwicklung der Lockheed-TriStar-Triebwerke, BAC und Rolls-Royce zusammen 130 Millionen Pfund für die BAC-3-11. Rechnet man auch die Produktionskredite hinzu, so muß das Schatzamt in den nächsten fünf Jahren über vier Milliarden Mark allein für die Fliegerei (ohne Senkrechtstarter und Militärprojekte) aufbringen.

Die Einladung der Kontinentalen, für vielleicht 20 Millionen Pfund, wie es erst hieß, wieder am europäischen A-300 B mitzuwirken, hätte also nie verlockender sein können als heute. Nach allem was bisher über die Gespräche in Paris bekannt wurde, bringen denn auch nicht die Briten das größte Opfer, sondern die Kontinentalen. Danach bietet man dem verlorenen Sohn an, sich lediglich noch mit vier Millionen Pfund oder zwei Prozent der gesamten Entwicklungskosten zu beteiligen. Zudem ein großzügiges Geschenk: Die Bundesrepublik und Frankreich sollen in den ersten Gesprächen offeriert haben, sich mit 25 Millionen Pfund an der Entwicklung des umstrittenen Rolls-Royce-Triebwerkes zu beteiligen.

Ausschlaggebend für den britischen Entschluß werden also weniger Finanzlage oder EWG-Goodwill als vielmehr die Zukunftsaussichten des Projektes für Rolls-Royce sein. Stärker als die Flugzeugbauer der BAC steckt das britische Nationalsymbol im internationalen Konkurrenzkampf und singt um die Weiterentwicklung seiner Düsentechnologie. Deshalb wird London den Europäern seine Bedingung stellen: verzichten auf die BAC-3-11 zugunsten eurer A-300 B, wenn Rolls-Royce an Stelle der amerikanischen General Electric die Triebwerke liefern kann. Eine kontinentale Mitfinanzierung kann dabei nur angenehm sein. fcw