Béla Bartók: „Klavierkonzert Nr. 2“ und Igor Strawinsky: „Konzert für Klavier und Bläser“; Stephen Bishop (Klavier), BBC Symphony Orchestra, Leitung: Colin Davis; Philips 839 761 LY, 25 – DM

Ein neues Talent geht um in den Konzertsälen und auf der Platte – neu ist es eigentlich nur auf dem kontinentalen Markt, in England machte es schon 1961 und dann 1968 wieder von sich reden: Stephen Bishop, Jahrgang 1940, Sohn jugoslawischer Eltern, in Amerika geboren, in San Franzisko erzogen, seit zehn Jahren in England; das notwendige und jederzeit und überall verkäufliche Repertoire zwischen Klassik und früher Moderne, eine Uraufführung von Bennett vor zwei Jahren.

Ein Mann mit einer glänzenden Technik, wie nicht anders zu erwarten. Bartóks immer noch mörderisch schwieriges zweites Klavierkonzert – der Komponist spielte, und das war sein letzter Auftritt in Deutschland, die Uraufführung in Frankfurt wenige Tage vor der „Machtergreifung“ – beherrscht Bishop ohne erkennbare manuelle Schwierigkeiten: die donnernden Oktaven- und Klangketten, in denen bis zu acht Töne starke Dreiklangakkorde in rasendem Tempo auf- und abwärtsgeführt werden; die Terzengänge, viehisch schwere Doppelgriff-Folgen; die quirligen chromatischen Läufe; die gegeneinander geführten Rhythmen.

Aber die noch so stupende Technik vermag über einen Mangel nicht hinwegzutäuschen: Bishop spielt sowohl Bartóks wie Strawinskys Konzert betont al fresco: große brillante Klangfelder, aber ohne rechte Kontur und Gliederung; bombastisch wirkende Demonstrationen pianistischen Könnens, aber kaum ein Einblick in formale Zusammenhänge. Bislang zeigt sich Bishop vor allem als Klavierhusar, aber wenig nur als auch verstehender Interpret von Formen und Inhalten. Das Pedal ist Bishops wichtigstes Hilfsmittel. Und die Aufnahmetechnik tat hier ihr übriges, als sie das von Colin Davis nicht unbedingt auf deutliche Zeichnung des thematischen Materials dirigierte Orchester mit starkem Hall aus der Distanz aufnahm und dadurch das schon diffuse Klangbild noch verschwommener werden ließ.

Anda mit Fricsay oder Entremont mit Bernstein haben gezeigt, wie es besser sein kann.

Heinz Josef Herbort