Von Nina Grunenberg

Der Senatsbericht über die Situation an den Berliner Hochschulen erschien zu Semesteranfang. Die "Roten Zellen" hatten das Semester mit einer "Roten Woche" begonnen. Das erwartete Spektakel schien auszubleiben; im Präsidialamt der Freien Universität (FU) wurde schon von "rosa Zeiten" gesprochen. Zu Störaktionen kam es dann doch noch, am intensivsten im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften.

Für Freitag der vergangenen Woche hatte der Vorsitzende des Fachbereichs eine Vollversammlung einberufen. Die Aktionen der "Roten Zelle Ökonomie" – sie zählt rund 35 Mitglieder – sollten besprochen werden. Unter den 1700 Studenten der Wirtschaftswissenschaften hatte sich eine deutliche Mißstimmung gegen die "ROTZÖK" verbreitet.

Einen Tag zuvor, am Donnerstag, fand die Debatte des Berliner Abgeordnetenhauses über den Senatsbericht statt. In ihm heißt es: "Eine verfassungswidrige Zielsetzung im ganzen liegt bei allen ‚Roten Zellen‘ vor." Die Mehrheit der CDU-Fraktion plädierte dafür, die "Roten Zellen" zu verbieten. Nach der Plenarsitzung bat FU-Präsident Kreibich Wissenschaftssenator Werner Stein, am nächsten Tag an der Vollversammlung des Fachbereichs teilzunehmen und den Studenten den Standpunkt des Senats selber zu erläutern. Senator Stein lehnte wegen anderer Termine ab. Auch ein Stellvertreter fand sich für ihn nicht. Für Rolf Kreibich war klar, was am nächsten Tag kommen mußte.

Die Kritik an den Aktionen der "Roten Zellen" ging unter. Die große Mehrheit der 600 anwesenden Studenten stimmte statt dessen einer Resolution der "ROTZÖK" zu, in der der Senat aufgefordert wurde, eindeutig zu erklären, daß ein Verbot der "Roten Zellen" für ihn zu keinem Zeitpunkt in Frage komme. "In dieser Resolution", berichtete der Tagesspiegel, "die sich gegen zwei andere von gemäßigten Gruppen eingebrachte Entschlußentwürfe durchsetzen konnte, wird ‚weiterhin auf das schärfste die Einsetzung eines Staatskommissars an der Architektur-Fakultät‘ der TU (Technische Universität) verurteilt und als Versuch bezeichnet, jede konsequente Reform der Hochschulen in dem Augenblick zu ersticken, da sich die Betroffenen anschickten, ‚für den Sturz des Kapitals und den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaftsordnung zu arbeiten‘. Nach der Resolution erklärten die Versammelten, daß sie ein Zuschlagen des Senats gegen die ‚Roten Zellen‘ ‚mit allen geeigneten Mitteln‘ bekämpfen wollten."

Damit war eines wenigstens gleich zu Anfang des Semesters klar: Die Solidarisierungswellen, die die "Roten Zellen" bei Bedarf auszulösen verstehen, funktionieren noch wie eh und je.

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