Birkholz/Salier: Senkrechtstart und Absturz einer Erfolgsidee. Die Inside-Story einer Investmentgesellschaft. Econ-Verlag GmbH; 296 Seiten, 25,– DM.

Die spannendste Zeit der Investors Overseas Services waren die letzten Wochen vor dem Verfall ihrer Verwaltung und ihrer Vertriebsorganisation. Wen wundert es daher, wenn auch die Autoren Birkholz und Salier als Kenner und ehemals hochbezahlte PR-Manager der IOS das lahme Pferd von hinten aufzäumen? Wie bei einem Krimi geht es zu: Erst wird die Leiche vorgestellt und dann folgt – per Playback – die ganze Story.

Auch die ganze Wahrheit? Gewiß nicht. Die schreibenden Insider Birkholz und Salier werden sie genausowenig kennen wie die Millionen von Sparern, die IOS vertrauten.

Die IOS-Story ist ein Stück Zeitgeschichte. Die schillernde Persönlichkeit ihres Gründers und Ersatzreligionsstifters Bernard Cornfeld, die Eitelkeit und Suggestionserfolge des ökonomischen Autodidakten Erich Mende, die schon fast mysteriösen Akquisitionstalente der Werber und Trommler werden sichtbar.

Weithin unsichtbar und unerklärbar aber bleiben die Motive der Anleger aus nahezu allen Schichten der Bevölkerung. Sie wollten reich werden und wurden arm – vor allem die Käufer der lOS-Holding-Aktie und der IOS-Management-Aktie. Sauer verdiente Spargelder schmolzen zusammen – und auch manche „schwarze“ Kasse; Und Tausende von Vertretern, dekoriert mit IOS-Feldzeichen, gruppiert in IOS-Bataillonen, glaubten an IOS, verdienten mit IOS, investierten ihre Provisionen in IOS und verloren alles bei IOS.

Der ehemalige. Sozialpfleger aus New York, Bernard Cornfeld, in den fünfziger Jahren noch kleiner Agent bei einer kleinen amerikanischen Investmentgesellschaft, hatte eine Idee: den GIs in Europa Investmentzertifikate zu verkaufen. Sein internationaler Überseedienst florierte trotz und dann wohl auch wegen der Schwierigkeiten mit den amerikanischen Börsenaufsichtsbehörden.

Im Februar 1960 setzte Cornfeld mit zehn Mitarbeitern seinen Fuß auf bundesdeutsches Territorium. Soldaten der US-Streitkräfte in Deutschland machten Kasse. Die heimatlichen Steuerämter merkten nichts, zumal die 1962 aufgelegten Fonds FoF und IIT nicht den amerikanischen Gesetzen unterlagen. Und dann kamen die deutschen Anleger. Scharenweise. Aus ihnen rekrutierten sich immer neue Akquisiteure.