In Kanada geht die Suche nach dem entführten britischen Diplomaten Cross und seinen Entführern, Mitgliedern der „Front für die Befreiung Quebecs“ (FLQ) unvermindert weiter. Zahlreiche falsche Angebote zu Verhandlungen und Drohungen mit weiteren Terrorakten haben die 12 000 eingesetzten Polizisten in die Irre geführt. Ob Cross noch lebt, ist völlig ungewiß.

Mittlerweile mehrt sich auf allen Seiten die Kritik an der Verhängung des Kriegsrechtes. Selbst enge Parteifreunde von Premierminister Trudeau fürchten ihre Glaubwürdigkeit als Liberale zu verlieren, da es bei den Razzien zu zahlreichen Übergriffen gekommen ist.

In gespannter Atmosphäre fanden am Wochenende in Montreal Kommunalwahlen statt. Der bisherige Oberbürgermeister Drapeau wurde mit überwältigender Mehrheit bestätigt. Er und ein Bundesminister hatten die einzige gewichtige Oppositionsgruppe beschuldigt, mit der FLQ zu kollaborieren. Nur knapp die Hälfte der Montrealer Bürger wählte, hauptsächlich die wirtschaftlich vorherrschenden Anglo-Kanadier. Die Meinung der „schweigenden Mehrheit“ kam in diesen Wahlen nicht zum Ausdruck.