Weil die ordinäre Straßenkatze nach wie vor am billigsten auf der Straße zu haben ist, führt der Fachhandel lediglich feinere Perser-Exemplare, um 300 Mark das Stück („Traumpapiere!“). Wer sich mehr an High-Snobiety-Tierhaltung orientieren will, kann sich jederzeit einen Geparden oder Ozelot bestellen; sie sind im allgemeinen ungefährlich, wenn man davon absieht, daß sie, falls gut gelaunt, für ihr Leben gern von Lampe zu Lampe springen. Jung gekauft, werden sie sehr häuslich; ihr Flair von Exklusivität hemmt allerdings die Tierkauflust des Reihenhausbürgers. Noch zurückhaltender verhält sich der deutsche Tierfan gegenüber Löwen und Tigern; sie notieren zur Zeit um sechstausend Mark das Stück und fressen, man ahnt es, doch eine ganze Menge gute Steaks.

öfter gefragt sind da schon Affen. Doch sie sind schwierig zu bekommen, seit vor Jahren im Frankfurter Raum einige Menschen, die Kontakt mit Affen hatten, aus bislang ungeklärten Ursachen gestorben sind und die Bundesregierung den Import von Affen verboten hat. Wer einen Affen will, muß Schmugglerpreise zahlen und darf nicht wählerisch mit der Rasse sein; er muß sich freuen, überhaupt einen zu bekommen. Ein richtiger Schimpanse ist nicht unter fünftausend Mark zu haben, zweijährig; und man sollte wissen, daß er nur bis zu seinem siebten oder achten Lebensjahr Spaß macht. Dann wird er geschlechtsreif und hat nur noch seinen eigenen Spaß im Sinn, und wenn er den nicht erhält, wird er böse. Sein Wiederverkaufswert ist dann gering, vielleicht zahlt ein Zoo noch 700 Mark für ihn.

Einen Ausweg aus der Affenmisere bieten die kleinen, wohl zwanzig Zentimeter großen Pinselohraffen zu rund 175 Mark oder die etwas größeren Totenkopfaffen zu etwa vierhundert Mark; sie unterliegen nicht ganz so strengen Vorschriften und-werden deshalb auf statt unter dem Ladentisch gehandelt.

Aber wie wär’s mit einem Zwergesel als exotische Alternative zum Hund? Im Kaufhaus zu sechshundert Mark im Programm. Eine ganz besondere Sorte Tierfreund erwärmt sich für Riesenschlangen vom Schlage der Boa constrictor oder auch Pythonschlange, bis zu dreieinhalb Meter lang, die ihre Opfer nicht vergiftet, sondern erwürgt und dann verschlingt, Mäuse, Ratten oder auch Hamster. Sie werden als Meterware gehandelt, eine Mark pro laufenden Zentimeter.

Wer Riesenschlangen nicht mag und doch das Abenteuerliche sucht, für den hält Fockelmann zum Beispiel süße kleine Kaimane bereit. Sie liegen im ersten Stock faul herum, heben de Nasenlöcher aus dem Wasser, messen einen halben Meter über alles und kosten nur 45 Mark. Oder vielleicht einen Nasenbär? Der ist allerdings schon dreihundert Mark teurer und beißt auch nur zu Anfang, nachher wird er recht zutraulich.

Wer Lust auf ein Nashorn oder einen Elefanten hat, dem wird niemand in Deutschland dreinreden, solange das kleine Tier nicht die Nachbarn vergrätzt oder sonstwie zu einem öffentlichen Ärgernis gerät. Der Tierschutzverein, gewiß, würde sich wohl drum kümmern, schon allein, weil es eine willkommene Abwechslung von der täglichen Hunde- und Katzenroutine wäre; doch auch er kann lediglich, sieht er Grund dazu, bei der örtlich für Naturschutz und dergleichen zuständigen Behörde Anzeige erstatten, falls den Tier seiner Meinung nach Unrecht widerfährt, eingreifen kann er nicht. Der Zoohändler könnte die Dickhäuter binnen kurzer Frist beschaffen – aber wohin damit?

So scheitert denn an Räumlichkeiten, was andernfalls vielleicht attraktiv wäre, und deshalb eben ist der Wellensittich immer noch der bewährte und preiswerte Kompromiß. Wellensittiche gibt es inzwischen in 690 Farben und Formen. Die hindern einen nicht mehr am Urlaub, denn Futterautomaten legen drei Wochen lang täglich zwei Pillen in den Napf, und sind sie männlichen Geschlechts, lassen sie sich sogar zum Sprechen bringen, weshalb die Hähne doppelt so hoch bezahlt werden wie die Hennen, mit runden zwanzig Mark pro Stück.