Der von der Bundesregierung vorgelegte Reformentwurf zum Sexualstrafrecht schlägt hohe Wellen. Er ist in den Landtagswahlkämpfen in Hessen und Bayern zu einem Hauptthema geworden. Im Bundesrat lehnten die fünf CDUregierten Länder mit 21 gegen 20 Stimmen die weitgehende Freigabe der Pornographie und die Lockerung des Tatbestandes der Kuppelei ab.

Der Regierungsentwurf stellt nur Pornographie mit pädophilen oder zu Gewaltsamkeit anregenden Motiven sowie die Zuleitung von pornographischen Erzeugnissen an Jugendliche unter Strafe. Der Tatbestand der gewerbsmäßigen Kuppelei sollte generell entfallen.

Auf einem Wahlkongreß sprach sich Bundeskanzler Brandt gegen die Pornographie aus: „Da gibt es auch einige, die den Bürgern weismachen wollen, die Bundesregierung billige dieses Zeug. Davon kann gar keine Rede sein.“ Brandt fügte hinzu, nicht alles, was unsittlich und anstößig sei, müsse auch bestraft werden.

Schärfer verurteilte der amerikanische Präsident Nixon eine Lockerung der Pornographiebestimmungen, wie sie von einer Kommission empfohlen wurde: Solange er Präsident sei, werde er sich bemühen, „Schmutz“ dieser Art „unter Kontrolle zu halten oder auszumerzen“.