Um demonstrative Übereinstimmung und gegenseitig bekundete Unterstützung waren Prag und Ostberlin bei dem viertägigen Besuch einer SED-Delegation unter Walter Ulbricht in der Tschechoslowakei bemüht. Der erste Besuch des Staatsratsvorsitzenden nach der ČSSR-Intervention 1968 war lange und sorgfältig vorbereitet worden.Er brachte beiden Seiten Gewinn:

Die DDR erreichte, daß mit der Tschechoslowakei gemeinsame Arbeitsprogramme aufgestellt werden, die für die industriell annähernd gleichstarken Staaten gegenseitige Vorteile bringen dürften.

Den Prager Gastgebern gelang es, als gleichberechtigter Partner innerhalb des Ostblocks aufzutreten und auf einer repräsentativen Plattform das Prinzip der Nichteinmischung für sich in Anspruch zu nehmen.

Das gemeinsame Kommuniqué berührte Westberlin nicht und ließ auch nicht erkennen, wieweit Ulbricht das Hauptziel seiner Reise, eine gemeinsame Haltung gegenüber Bonn, erreichen konnte. Parteisekretär Husák vermied es, kurz vor den geplanten deutsch-tschechischen Verhandlungen sein im Vorjahr aufgestelltes Junktim zu erwähnen, daß die Bonner Bemühungen um Ausgleich an den Beziehungen zur DDR gemessen werden müßten.