Die Aussichten auf eine baldige Wiederaufnahme der Nahost-Friedensgespräche haben sich zu Wochenbeginn verringert. Die gegen den Willen Israels eröffnete Nahost-Debatte der UN-Vollversammlung hat vorübergehend zu einer Verschärfung der Tonart geführt. Jerusalem beschuldigte Ägypten und die Sowjetunion geradezu, mit der Debatte die friedliche Beilegung des Konflikts zu „sabotieren“. Allerdings haben beide Seiten noch einmal bekräftigt, den Waffenstillstand zu verlängern.

Die israelische Haltung wird von der Befürchtung diktiert, die Vereinten Nationen könnten einen neuen Beschluß fassen, der eine Verschlechterung der israelischen Lage bedeute. 41 afrikanische Staaten haben auf Betreiben Ägyptens schon eine Resolution ausgearbeitet, in der Israel aufgefordert werden soll, sich binnen zwei Monaten wieder an den Jarring-Gesprächen zu beteiligen.

Außenminister Eban warf Ägypten vor, die Zahl der Raketen während der Feuerpause verdreifacht und „eines der modernsten Raketensysteme der Welt“ geschaffen zu haben. Der israelische Abwehrchef Jariv bekräftigte, bis jetzt seid etwa 50 feuerbereite Batterien installiert Die Zahl der sie bedienenden Sowjets sei auf etwa 3000 gestiegen. Nach Jarivs Worten sind auch etwa 250 Geschütze in die Kanalzone verlegt worden.

Der Abwehrchef gestattete zum erstenmal, daß Journalisten ihn als Quelle namentlich zitierten. Nicht weniger Aufsehen erregte die Mitteilung von Ministerpräsidentin Meir, Israel habe viel Maschinen über dem Kanal abgeschossen die von sowjetischen Piloten besetzt gewesen seien.

Jerusalem hat vorerst eine harte Position bezogen. Es glaubt zudem, in der Nixon-Rede vor der UN-Vollversammlung den Passus, im Nahen Osten müsse ein Klima des Vertrauens geschaffen werden, als Rüge an Ägypten und Unterstützung der eigenen Haltung ausleger zu können. Mit Befriedigung wurde registriert, daß zur gleichen Zeit in Washington bekannt wurde, die Vereinigter Staaten würden Israel 200 moderne Kampfpanzer, 18 Phantom-Düsenjägei und zusätzliches Artilleriematerial liefern.