Köln

Im Januar hatte die Kölner Kabelfirma Felten & Guilleaume Schlagzeilen gemacht. Ihr Werkschutzleiter Friedrich Boljahn hatte für rund 600 Belegschaftsmitglieder eine geheime Vorstrafenkartei mit privaten Verfehlungen angelegt. Als die Proteste von Betriebsrat und Gewerkschaft – über tausend Felten & Guilleaume-Arbeiter traten in einen spontanen Streik – immer massiver wurden, beurlaubte die Firma Boljahn vorübergehend von seinem Posten.

Inzwischen hat der Fall Boljahn eine für alle Beteiligten unerwartete Wendung genommen. Das Kölner Arbeitsgericht, bei dem die IG Metall Feststellungsklage gegen Boljahn erhoben hatte, entschied: nicht Boljahn, sondern die Firma trage die Schuld an den merkwürdigen Werkschutz-Vorgängen. Das Unternehmen habe die Befugnisse des Werkschutzleiters nie klar abgegrenzt; somit sei die Kündigung, „weder sozial noch durch dringende betriebliche Ereignisse begründet“.

Für Felten & Guilleaume dürfte dieser Spruch am peinlichsten sein: Betriebsrat und Belegschaft haben bereits erkennen lassen, daß sie keineswegs gewillt sind, die Wiedereinstellung von Friedrich Boljahn zu akzeptieren. Betriebsratsvorsitzender Benno Feckler verkündete streitlustig, in einem solchen Falle werde die Belegschaft Friedrich Boljahn „mit sanfter Gewalt“ entfernen.

Ungeklärt im Fall Boljahn blieb bislang die Frage, auf welche Weise sich der oberste Werkschützer von Felten & Guilleaume in den Besitz der Vorstrafenregister seiner Kollegen brachte. Da Boljahn bis 1954 bei der Politischen Polizei in Köln tätig war, zuletzt als Kriminalmeister, glaubt der Betriebsrat an eine fatale Verbindung zwischen Boljahn und dem Kölner Polizeipräsidium. Benno Feckler spricht deshalb offen von „Bestechung“: „Ich vermute, Boljahr. und seine Hintermänner wollen jetzt noch eine möglichst hohe Abfindung herausschlagen.“

Wolf Scheller