Ist der Kapitalismus zum Tode verurteilt, ist der Kommunismus nur eine „Krankheit des Übergangs?“ Die Diskussion über die Zukunft von Kapitalismus und Sozialismus wird heute mehr von Emotionen und Wunschvorstellungen beherrscht als von nüchterner Analyse. Während die einen jeden schüchternen Versuch, innerhalb des sozialistischen Lagers in Politik, Wirtschaft oder Kultur ein wenig mehr individuelle Bewegungsfreiheit zu schaffen, als Hinwendung zum Liberalismus, als Anbruch einer neuen Zeit feiern, sehen die anderen überall Anzeichen für den baldigen Zusammenbruch des Kapitalismus. Bei näherem Hinsehen fällt es aber den Vertretern beider Seiten schwer, überzeugende Beweise für ihre Thesen vorzulegen.

Angesichts des wieder stark gewachsenen Bedürfnisses nach Ideologie, nach einer gesellschaftspolitischen Ersatzreligion, sind Beweise aber heute auch weniger gefragt als Theorien. Typisch ist, daß dabei immer weniger nach den Grundlagen und Voraussetzungen dieser Theorien gefragt wird – mit denen sie schließlich stehen oder fallen. Gerade bei der „Neuen Linken“ scheint diese fundamentale Voraussetzung für die Gültigkeit jedes sozialen und ökonomischen „Modells“ weitgehend unbekannt zu sein.

Umgekehrt haben es sich aber auch die Vertreter der Konvergenztheorie, der These von der unaufhaltsamen Annäherung zwischen Ost und West, häufig zu leicht gemacht. Bei ihnen war vielfach der Wunsch nach Überbrückung der Gegensätze zwischen den Machtblöcken der Vater der Theorie.

Haben sich die Thesen der Konvergenztheoretiker bestätigt? Nähern sich Kapitalismus und Sozialismus unter dem Sachzwang, der von der modernen Technologie ausgeht, einander an? Sind die Technokraten auf beiden Seiten stärker als die Ideologen? In einer dreiteiligen Folge versucht Karlheinz Kleps, Professor für Nationalökonomie an der Universität Linz, diese Fragen zu beantworten. Die Ergebnisse, zu denen er in seiner Analyse kommt; sind geeignet, manches Klischee zu zerstören. Wie sieht Ota Sik, der führende Theoretiker der tschechischen Reformbewegung die Zukunft des Sozialismus? Dies soll ein abschließender Beitrag untersuchen. mj