Die deutschen Spielehersteller haben einen gemeinsamen Kummer: sie möchten von den vielen neuen Spielen gern die besten auf den Markt bringen, der sie ihnen aber nicht abnimmt, weil das Personal der Spielwarengeschäfte sie den Kunden nicht erklären kann. Es sieht so aus, als würden statt Spiele für intelligente Spieler immer mehr Spiele für schlechte Verkäuferinnen fabriziert. Vielleicht ist das der Grund, weshalb heuer eine erstaunlich große Zahl von Spielen herauskam, die mit dem Hinweis „geht so ähnlich wie Domino“ hinreichend zu erläutern sind.

Da besticht der Aufmachung nach zunächst „Hi Spot“, eine Art von vertikalem Domino, nämlich Klarsichtplättchen mit einem bis sechs verschieden angeordneten Punkten drauf, die in neun Fächern eines plastischen Plans abwechselnd dergestalt aufeinandergelegt werden, daß sich nie Punkte decken. Das Spiel hat leider den entscheidenden Haken, daß fast immer gewinnt, wer das Spiel beginnt.

Viel besser ist das schlichtere „Quadro Combi“. Da sind kleine Papprechtecke mit zweifarbigen Winkelstreifen so aneinanderzulegen, daß sie sich zu einem vierfarbigen Quadrat oder Kreuz ergänzen, wobei letzteres mehr Punkte bringt.

Auch “Combi Play“ basiert auf den vier Hauptfarben, diesmal als ein- oder zweifarbige Rauten auf Spielkarten. Sie werden abwechselnd einzeln vom Stapel genommen und aneinandergereiht. Ergänzt jemand die Kartenschlange so, daß Kopf und Schwanz die gleiche Farbe haben, kriegt er sie als Prämie. Läßt sich eine Karte überhaupt nicht anlegen, muß man Karten zurückgeben, und zwar so viele, bis man auf eine Karte im eigenen Gewinnstoß mit der gleichen Rückenfarbe wie die Unspielbare trifft, denn der Autor, der es schon immer mit Farben hat („Farbenlabyrinth“), ist meines Wissens als erster auf die Idee gekommen, auf diese Weise auch die Rückseite eines Kartenspiels ins Spiel einzubeziehen. Er bietet in dem recht artigen Spielchen noch zwei ansprechende Variationen an, was leider „Contact“ nicht tut.

„Contact“ wird mit kleinen Kartonquadraten gespielt, die jedoch Kurzabschnitte, von Bahnen zeigen, schwarz, blau, rot, Geraden, Kurven, Endpunkte, und diese Elemente schön vielfältig sortiert. Man kann damit einen Tisch mit einem ästhetischen Rangierbahnhof vollegen, der keine besondere Spielregeln braucht und an den ich mein Spielerherz verloren habe. Aber auch wenn sich mehr Leute an das Spiel machen, dann sollen sie mit ihm tun, was sie wollen, nur eins nicht, die beigelegte Spielregel beachten: sie ist von allen Möglichkeiten, die „Contact“ bietet, sicherlich die schwächste. Wem nicht selber ein Modus einfällt, der halte sich an den Verkäuferinnen-Ratschlag und spiele es „wie Domino“.

Ebenfalls quadratische Pappkärtchen bietet „Put“, ein Legespiel von hohem Reiz und einer verblüffenden Simplizität: die Spielstücke sind schwarzweiß geteilt, und zwar genau in ihre Hälften, mal gerade, mal diagonal. Und damit schlägt „Put“ alles Vergleichbare: „Linjo“ läßt es in der Versenkung verschwinden und das immerhin reizvolle „Diago“ wirkt gegen „Put“ laut. Dabei kann man sonst nichts damit anfangen, als es arrangieren. Schön ist es immer und eine Wohltat für Empfindsame nach des Tages Mühe. Ich nahm mir vor, auf die „Put“-Kärtchen hinten Büromagneten drauf zu kleben, um sie auf einer postkartengelben Blechtafel zu einem Op-Werk zu fügen, das jederzeit verändert werden kann. Eugen Oker