Vom Wellensittich bis zur Pythonschlange

Von Kai Krüger

Auswahl gibt es genug. So bietet ein großes Kaufhaus junge Elefanten zu 10 000 Mark an, und einen privaten Zoo auf Teneriffa, zum Beispiel, belieferte es jüngst mit einem Ozelot zu 1900 Mark und einem Sortiment exotischer Vögel zu 800 Mark. Doch Deutschlands Heimtier Nummer eins ist nach wie vor der Wellensittich. Er hockt in fünf Millionen Exemplaren im Käfig oder auf der Gardinenstange.

In weiteren zwei Millionen Haushaltungen rollt ein Harzer Roller, was die Markenbezeichnung für den im Harz und längst auch anderswo gezüchteten Kanarienvogel ist; und eine Million Exoten und „nicht-jagdbare wildlebende deutsche Waldvögel zur Stubenvogelhaltung“, die indessen ebenfalls längst importiert werden, vervollständigen die Wohnzimmer-Vogelschar. Der Bundesbürger verfüttert jährlich rund eine halbe Milliarde Mark an sie, und das Geschäft mit Käfigen hat auch schon seine 300 Millionen Mark pro Jahr überschritten.

Käfig ist beileibe nicht gleich Käfig; es gibt die schlichte Schlafstatt für Wellensittiche, aber auch Gehäuse (so ein Verkaufsprospekt) „in Altdeutsch, in Chippendale oder in weißem Schleiflack kunstgerecht hergestellte und mit drei Glasscheiben und einer dezenten Beleuchtung angereicherte Vogeltruhen“, die „sehr dekorativ wirken“, und vergoldete Vogelheime, deren „auffallend strahlender Goldglanz ein Zimmerschmuck besonderer Prägung“ ist. Kostenpunkt bis zu 800 Mark; alles im Sinne der Wohnkultur und unter dem Slogan der Zoogeschäfte: Wer einen Vogel hat, lebt länger.

Und wer einen Hund kauft, und immer mehr kaufen einen, der nimmt ihn „nur mit astreinen Papieren, versteht sich“. Hunde ohne Stammbaum sind so gut wie unverkäuflich; und der Stammbaum ist erst einer, wenn er vor nicht mehr als drei Jahren einen preisgekrönten Vorfahren ausweist. Der Glaube an diese Stammbäume, immerhin etwas Gedrücktes, ist hingegen unbegrenzt. Das Hundezubehör reicht vom seidenen Schlafanzug zu fünfzig Mark über Lederschuhe zu acht bis zehn Mark das Pärchen bis zum vergoldeten Halsband in Preislagen ab hundert Mark. Hundebetten oder -couchen hält der Handel schon ab siebzig Mark bereit.

Das große Weihnachtsgeschäft freilich macht, alle Jahre wieder, der Goldhamster. Mit 3,50 Mark für das Tier und siebzehn Mark für das dazu passende „Hamsterheim“ schießt er als Weihnachtsgeschenk den Vogel ab, zusammen mit dem „Meerschweinchen im Bungalow“. Mit dem Goldhamster für die lieben Kleinen wird gleichsam der Grundstein zu lebenslanger Tierliebe gelegt – und die Basis für eine blühende Zubehörindustrie, deren Umsatzkönige zum Teil schon im eigenen Flugzeug auf Kundschaft gehen.