„Studie zur gesellschaftlichen Funktion faschistischer Sprache“, von Lutz Winckler. Drei Jahre nach Erscheinen von Kenneth Burkes „Die Rhetorik in Hitlers ‚Mein Kampf‘ und andere Essays zur Strategie der Überredung“ (edition suhrkamp) ist nun ebenfalls in der edition suhrkamp eine kritische Untersuchung des jungen Würzburger Historikers Lutz Winckler veröffentlicht worden, die – ähnlich wie Burkes Beitrag – das Problem des gesellschaftlichen Stellenwerts faschistischer Sprache analysiert. Dies muß um so mehr begrüßt werden, als wissenschaftliche Abhandlungen zum Verhältnis von Sprache und Gesellschaft, zumal zur Funktion faschistischen Sprachgebrauches während des Dritten Reiches immer noch rar sind. Wincklers Beobachtungen beschränken sich zwar vornehmlich auf Sprache, Rhetorik, Propaganda und Ideologie in „Mein Kampf“, deren innere Zusammenhänge er an Hand vieler Zitate sorgfältig zu belegen und gut zu erläutern versteht, gleichwohl ist eine ausführliche Untersuchung faschistischer Sprachmerkmale überhaupt impliziert. Zur Analyse und Kritik von Sprachmanipulationen, die der Autor auf die Grundlage der Faschismustheorie August Thalheimers stellt, dienen ihm Untersuchungen zu Hitlers stilisierter Biographie, rhetorischer Formen und seines Stils ebenso wie seine Aufdeckung der ideologischen Komponenten in Hitlers Weltanschauung. Die Aktualität dieses nützlichen Beitrags wird durch Vergleiche mit dem Sprachgebrauch der NPD und Anmerkungen zur Reklamesprache noch unterstrichen, (edition suhrkamp 417, Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 148 S., 4,– DM)

Rainer Krause