Von Horst-Wolfgang Bremke

Moderner Menschenhandel“ und „Sklavenmarkt“ – das waren noch vor einem Vierteljahr die einmütig vom Deutschen Gewerkschaftsbund, der Bundesanstalt für Arbeit und der Boulevardpresse verwendeten Synonyme, wenn es galt, sich über das Personal-Leasing der Unternehmen für Zeitarbeit auszulassen.

Das Bild hat sich gewandelt. Die Nürnberger Bundesanstalt baute nicht nur ihr eigenes Geschäft der „Job-Zeit-Personal-Vermittlung“ aus und betreibt inzwischen bereits in 31 Städten der Bundesrepublik solche Vermittlungsstellen; sie ist vielmehr auch einer Zusammenarbeit mit den größten Firmen der von ihr noch kürzlich heftig befehdeten Branche eher gewogen.

Den Anstoß dazu gab die Frankfurter Tochter der amerikanischen Personal-Leasingfirma Manpower. Um den leidigen Stellungskrieg zu beenden, schlug sie vor, an Leihfirmen, „die bestimmte Anforderungen an Befähigung, Leumund, Finanzen und an Kenntnissen der arbeits- und sozialrechtlichen Verhältnisse erfüllen“, kurzerhand staatlich sanktionierte Lizenzen der Bundesanstalt für Arbeit zu vergeben.

Dieses Verfahren würde – so die Frankfurter – beiden Seiten nützen: Die Bundesanstalt erhalte Unterlagen, mit denen sie eine gewisse Kontrolle über die Leasing-Firmen ausüben könne. Zusammen mit den sanktionierten Unternehmen könne sie dann den unseriösen Störenfrieden der Branche den Garaus machen. Die Zeitarbeits-Firmen aber würden, geläutert durch den Nürnberger Persilschein, vertrauenswürdiger erscheinen – für Kunden und Personal.

Den Vorschlag nahm das Bundesarbeitsministerium, den Zeitunternehmen ohnehin „mit großer Sympathie“ verbunden, bereitwillig auf. Gegenwärtig basteln Walter Arendts Ministeriale an einem Gesetzentwurf, der den „zweiten Arbeitsmarkt“ in den Griff bekommen und die Betriebe, die Zeitpersonal beschäftigen, einer Meldepflicht unterwerfen soll. Um den sozialen Schutz der Arbeitnehmer auf Zeit weiter zu verbessern, sollen die Kunden Mithaftung für die Lohn- und Sozialversicherungsansprüche des Zeitpersonals übernehmen.

Schon am 1. Juli dieses Jahres hatten sich die im Unternehmensverband für Zeitarbeit zusammengeschlossenen 23 von insgesamt etwa 500 in Deutschland tätigen Personal-Leasingfirmen in ihrem Sozialimage aufgewertet: Mit der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft in Hamburg schlossen sie einen Manteltarifvertrag ab. Das Vertragswerk sichert den Mitarbeitern der Leihfirmen zu, was in der Bundesrepublik für alle übrigen Arbeitnehmer selbstverständlich ist: Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Kündigungsschutz.