Es ist sonderbar: Ob Soldaten, Stewardessen, Nonnen oder Polizisten – immer wieder werden Modekünstler beauftragt, einen neuen Dienstdreß zu entwerfen. Das Resultat ihrer mehr oder minder uniformen Bemühungen bringen dann die Zeitungen mit großem Kommentar. Mich hat es jedesmal gewundert, daß in diesem Moment der schlichte, graue Zeitungshändler an der Ecke nicht seine verwaschene Kluft an den Nagel gehängt beziehungsweise an den Verlag zurückgeschickt hat. Ein General ist als General angezogen, damit andere Generäle erkennen, daß sie es mit einem Kollegen zu tun haben. Ähnlich verhält es sich bei den anderen uniformierten Berufsgruppen. Der Zeitungshändler aber lebt von dem textilen Umstand, daß Zeitungskäufer ihn als Zeitungsverkäufer orten – und bei ihm kaufen. Er muß also auffallen. Wäre vorzuschlagen, ihn in Signalrot zu kleiden, weil seit Erfindung der Verkehrsampel bei Rot jedermann hält.

Bisher ist dieser Beitrag eine Betrachtung, die jeder anstellen kann. Ab hier wird er praktisch. Haben Sie schon einmal eine Einheits-Zeitungshändler-Schirmmütze auf dem Kopf gehabt? Meistens sind diese Dinger aus Plastik. Wenn es warm wird, haben Sie eine Art Umlauferhitzer auf dem Haupt. Unter solchen Mützen steckt dann garantiert ein müder Kopf. Eine leichte, luftdurchlässige Bedeckung wäre angebrachter.

Eine weitere Absonderlichkeit: Die meisten Verkaufstaschen sind hell. Das hat den Vorteil, daß jeder genau beobachten kann, wie stark druckfeuchte Aktualitäten schwärzen.

Geldtaschen wiederum bergen den besonderen Reiz der Exklusivität. Ein Knipsbügel sorgt nach drei Jahren Verkaufserfahrung für a) überdimensionierte Daumen oder b) eine Sehnenscheidenentzündung.

Da der Zeitungshändler ja auch für das Objekt, das er anbietet, steht, sollte er – abgesehen vom rein Praktischen – in seiner Aufmachung den Charakter seiner Zeitung stellvertreten. Vielleicht wäre es eine Anregung für den Verlegerverband, demnächst einen Couturier zu beauftragen. Wäre bestimmt keine schlechte PR, wenn zum Beispiel die Leserinnen von Frauenzeitschriften sehen würden, wie St.-Laurent sich den „Brigitte“-Typ vorstellt. U. M.-M.