Von Imanuel Geiss

Die Auseinandersetzung zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Ökumene über Gewalt und Revolution und der Streit um den geplanten Cabora-Bassa-Damm, an dem sich bundesdeutsche Firmen beteiligen wollen, hat die Aufmerksamkeit der öffentlichkeit vorübergehend wieder einmal auf den Befreiungskampf in Portugiesisch-Afrika gelenkt. In den Kolonien, die als „Provinzen“ getarnt werden, tobt seit Jahren ein revolutionärer Krieg mit wechselnden Erfolgen – seit 1961 in Angola, 1963, im kleinen Guinea-Bissau, 1964 in Mosambik. Portugal, als Staat der Nato von Amerika, England, Frankreich und der Bundesrepublik durch Waffenlieferungen zumindest indirekt unterstützt, führt einen auf die Dauer aussichtslosen Kampf, dessen Opfer aber bisher vor allem die afrikanische Bevölkerung geworden ist.

Über die beiden bisher erfolgreichsten Befreiungsbewegungen legt nunmehr ein neuer Frankfurter Verlag gleich zwei informative Bücher vor:

Basil Davidson: „Die Befreiung Guineas. Aspekte einer afrikanischen Revolution“, mit einem Vorwort von Amilcar Cabral; aus dem Englischen von Burkhard Bluem und Susanne Kühnle; März Verlag, Frankfurt/Main 1970; 235 Seiten, 12,–DM

Eduardo Mondlane: „Kampf um Mozambique“; aus dem Englischen von Heidi Reichling, Stefan Rössel und Burkhard Reich-März Verlag, Frankfurt/Main 1970; 316 Seiten, 14,– DM

Obwohl beide Bücher praktisch das gleiche Thema behandeln, unterscheiden sie sich doch erheblich. Basil Davidson, ein verdienstvoller Afrika-Historiker, hat hier seine bisher manchmal mehr emotionale Begeisterung für Afrika in ein radikales und politisches Engagement umgesetzt. Im Stil seines australischen Kollegen Wilfred Burchett, der so eindrucksvoll über den Krieg in Vietnam berichtet hat, kleidet Davidson seine Analyse des revolutionären Befreiungskriegs in Guinea-Bissau in journalistische Reportagen. Er berichtet über Reisen in die befreiten und noch umkämpften Zonen des Landes zwischen Guinea und dem Senegal. Dazwischen sind, ähnlich wie in dem Buch über Mosambik, ausführliche Zitate aus Reden der Revolutionsführer und aus autobiographischen Mitteilungen mittlerer und unterer Chargen eingeflochten.

Guinea-Bissau war 1968, als dieses Buch abgefaßt wurde, bereits zu zwei Dritteln befreit und etwa zu je einem Sechstel von den Portugiesen unangefochten besetzt oder umkämpft. Die Präzision in den Angaben der Revolutionsbewegung PAIGC (Partido da Independencia da Guiné e Cabo Verde) und die Unbestimmtheit in den Meldungen der Portugiesen über die militärischen Vorgänge lassen, vermuten; daß die PAIGC ihre Erfolge nicht übertreibt, zumal auch, Schwachen und Mißerfolge in dem Buch freimütig genannt und erörtert werden. In Guinea wurden die Portugiesen bereits dermaßen in die Defensive gedrängt, daß sie auf zwei große Enklaven und die Städte in den schon befreiten und umkämpften Zonen beschränkt sind.