Von Wolf Donner

Daß man „Bändchen“ sagt oder „Büchlein“, mag der Autor nicht, und wenn man die Titel nicht richtig hersagen kann, wird er richtig böse. Dabei sind auf den ersten Blick gerade das die zwei markantesten Merkmale: lange, zuerst etwas schwer zu behaltende Titel, und kurze Bücher, zusammen 156 Seiten; im letzten Jahr „Früher begann der Tag mit einer Schußwunde“ und nun –

Wolf Wondratschek: „Ein Bauer zeugt mit einer Bäuerin einen Bauernjungen, der unbedingt Knecht werden will“; Reihe Hanser 44, Carl Hanser Verlag, München; 74 S., 5,80 DM.

Aber er hat recht – auch das zweite Buch ist, so paradox es klingen mag, ein ganz schön dicker Schinken.

Erster, flüchtiger Eindruck: eine Text-Collage, Sätze, Absätze, Satzhaufen, alles scheinbar ohne Zusammenhang; viel Kursivsatz, viele Klammern, Nummern, einteilende Buchstaben; manchmal fangen alle Sätze klein an, manchmal steht links neben jedem Absatz ein winziger Punkt; die Namen einer Gruppe von Adligen, die Besetzung von Bayern München, ein Bild, auf dem es zwei miteinander treiben.

Man stolpert durch einen Text ohne erkennbaren Kontext; man klammert sich erleichtert an etwas schön Gesagtes, an einen begriffenen Zusammenhang – darauf kann man sich ausruhen; aber dann kommt wieder dieses Gestrüpp, dieses irritierend, unverblümte Nebeneinander von Inkohärentem – richtig aufregend ist das manchmal, Parataxen nennt man das wohl; es kann auch ärgerlith werden, 74 Seiten sind viel, ständig werden dankbar aufgegriffene Assoziationsketten unterbrochen, werden der stringente Erzählfluß und die lieben Lesegewohnheiten zerstört.

Wer den Sinn dahinter, „Bedeutungen“ aufstöbern will, wissen möchte, „was damit gemeint ist“, der wird schnell eines Besseren belehrt: „Aber“ was kommt dabei heraus, wenn dabei unbedingt etwas herauskommen muß?“ Der „methodische Tiefsinn“ des interpretationswütigen Lesers wird auch handfest veräppelt: „Dreimal darfst du raten“ – „was hadn daß midem zudun?“ – „Humor? Grüßgott.“