Alle drei Stunden stirbt bei uns ein Kind auf der Straße; 1968 verunglückten 65 904 Kinder, 1920 davon tödlich. Während der letzten acht Jahre nahmen die Kinderunfälle um 36 Prozent zu. International gesehen hält die Bundesrepublik mit dem Kindertod auf den Straßen einen verheerenden Rekord. Teure Aktionen gegen das Kindersterben blieben – die Statistik beweist es – bisher ohne Erfolg.

Jetzt gibt es neue Pläne. Der ADAC legt sie vor. Vom dritten Lebensjahr ab sollen die Kinder künftig systematischen Verkehrsunterricht bekommen in Fächern wie Umweltkunde, Verhaltenskunde, Partnerkunde, Fahrzeugkunde, Straßenkunde. Der Plan liest sich gut, er ist eine didaktisch feine Sache, eine Expertenkommission hat ihn in 400 Sitzungsstunden erarbeitet. Aber wo denn, bitte schön, und von wem sollen die Kleinkinder unterrichtet werden? Dem Plan steht die bittere Realität fehlender Vorschuleinrichtungen (Kindergärten, Krippen) gegenüber. Nur dort könnte er verwirklicht werden. Also bleibt der Schwarze Peter doch wieder bei den Eltern?

Plan zwei soll den ersten fortführen; er schlägt Verkehrsunterricht – als Fach, als roten Faden? – für alle Schüler bis zum Abitur vor. Der verkehrstüchtig erzogene Mensch – sagt der ADAC – kann vielleicht schon mit dem 16. oder 17. Lebensjahr „führerscheinreif“ sein. Spezialisten sollen an jeder Schule Verkehrskunde lehren, und auch im Religionsunterricht und in Physik müsse der rote Faden sichtbar werden.

Zwei schöne Pläne, geboren aus der Erkenntnis, daß es so wie bisher nicht weitergeht. Nur: was nützen Pläne, solange beinahe jede Voraussetzung fehlt? Ein Teufelskreis. Es sieht so aus, als müßten wir noch lange mit der schrecklichen Statistik leben. Lilo Weinsheimer