Schülermitverwaltung (SMV), Schülermitverantwortung; es gibt Schüler, die bei den Worten Mitverantwortung und Mitverwaltung nur noch milde lächeln können. „Es gibt Schüler, die machen jetzt nicht mehr mit“, war 1967 und in den Jahren danach auf vielen Flugblättern zu lesen, die zu konstruktiver schulpolitischer Aktivität aufrufen sollten, und manche machten dann wirklich nicht mehr mit; manche wagten endlich, Widerstand zu leisten gegen überholte Erziehungsmethoden und unzeitgemäße Denkstrukturen; manche begehrten tatsächlich auf gegen die „autoritäre“ Schule von vorgestern (und heute) – ja, manche begehrten auf, und manche „wurden von der Schule gegangen“ oder (wenn es auf der betreffenden Schule vornehmer zuging) sanken in ihren Leistungen so ab, daß ein „Verbleiben“ des betreffenden Schülers oder der betreffenden Schülerin auf der jeweiligen „Anstalt“ nicht mehr „sinnvoll“ erschien.

Heute machen sie wieder alle mit – die rebellischen Schüler und die rebellierenden Lehrer – die einen zum Schweigen gebracht von Lehrern und vom Elternhaus, die anderen zur Untätigkeit gezwungen von Vorgesetzten und Schulbehörden. Welcher Schüler, der es wagte, „aufzumucken“, kennt sie nicht, die Besuche älterer angesehener und einflußreicher Lehrer seiner Schule im Elternhaus oder die Besuche der Eltern bei seinem Klassen- oder einem sonstigen Lehrer?

Welcher Lehrer, der es wagte, „aufzumüpfen“, kennt sie nicht, die vertraulichen Unterredungen beim „Herrn Direktor“, in denen dieser nachdrücklich versicherte, so falsch sei ja alles gar nicht, was der „Herr Kollege“ fordere, aber das Ansehen der Schule und die Ruhe und die Ordnung und alles und nicht wahr. Wenn es hochkam, wurde eben ein Exempel statuiert und der „Herr Kollege“ an eine andere Schule, in eine fremde Stadt versetzt.

Trotz allem hat die vielzitierte „Schülerrevolte“ sicherlich auf die Schule eingewirkt; die Lehrkräfte sind vorsichtiger geworden, und manchmal sind liberale Veranlagungen in manchen Lehrerkollegien gefördert worden – doch ist die SMV eigentlich das, was sie ursprünglich werden sollte: ein „demokratisches Sandkastenspiel“, eine Vorbereitung auf ein Leben in einer „demokratischen Gesellschaft“? Ist die SMV schon „Demokratie in der Schule“?

Ich glaube nicht. Gewiß dürfen an vielen Schulen Vertreter der Schülerschaft an den Konferenzen teilnehmen, doch an welcher Schule haben sie auch ein Stimmrecht? Sind sie nicht vielmehr ein geduldetes, demokratisches Feigenblatt? Und wie steht es überhaupt mit dem Rückhalt der SMV in der Schülerschaft?

Wahrscheinlich muß man schon mehrere Jahre Klassensprecher oder Mitarbeiter einer Schülerzeitung gewesen sein, um erkennen zu können, daß die Bereitschaft der Schüler, zum Engagement immer mehr sinkt, daß sich immer mehr eine kleine „Elite“ herauskristallisiert, die die SMV trägt und die gar nicht so sehr von dieser getragen wird, wie es doch eigentlich sein sollte.

Gewiß wird man einen Grund für fehlendes Engagement in der „Natur des Schülers“ sehen können, in seiner Veranlagung, möglichst gute Zensuren „mit nach Hause zu bringen“ und sich aus jeder mit Arbeit verbundenen schulischen Aktivität herauszuhalten. Doch, wieweit ist diese „Veranlagung“ eigentlich in unserem gegenwärtigen Schul- und Bildungssystem verankert, und welche fatale Rolle spielt hierbei das Elternhaus?