Die Vereinten Nationen haben die Jubiläumssitzung anläßlich ihres 25. Geburtstages am Wochenende mit der Verabschiedung von drei Grundsatzdokumenten beendet. Ohne Widerstand ging eine „Erklärung über freundschaftliche Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen den Staaten“ über die Bühne. Sie bestätigt allgemein die geltenden völkerrechtlichen Normen, verurteilt Aggressionskriege und warnt vor fremder Unterstützung von Bürgerkriegen oder Terroraktionen.

Zehn Monate wurde an der Formulierung der „Schlußerklärung“ gearbeitet, bis in letzter Stunde ein Kompromiß zustande kam. Die Erklärung soll die Mitgliedsstaaten erneut auf die Ziele der UN verpflichten: Ablehnung jeder Form von Kolonialismus, Beendigung des Wettrüstens und Stärkung der UN.

Generalsekretär U Thant mahnte, der Weltorganisation bleibe nur wenig Zeit, um das Vertrauen wiederzugewinnen, das man bei der Gründung in sie gesetzt habe. Die Welt könne „mit veralteten Methoden und einer veralteten Politik“ weiterarbeiten oder aber den Vereinten Nationen mehr Unterstützung gewähren, die besonders von den Großmächten kommen müßte.

Größte Aufmerksamkeit wurde der zweiten Deklaration entgegengebracht, einem Dokument zur zweiten UN-Entwicklungsdekade. Danach sollten die Entwicklungsländer eine wirtschaftliche Zuwachsrate von sechs Prozent pro Jahr anstreben und die Industrienationen dafür jährlich ein Prozent ihres Brutto-Sozialprodukts zur Verfügung stellen.

Obwohl während der zehn Tage 18 Staatsoberhäupter, 24 Regierungschefs und 44 weitere Politiker das Wort ergriffen, fehlten der Jubiläumssitzung die Spannung und die Aufmerksamkeit, die der Sitzung vor zehn Jahren noch entgegengebracht wurde, als Chruschtschow für Zwischenfälle sorgte. Zweifel, ob die UN das gesteckte Ziel einer friedlichen Welt erreichen könnten, Kritik und eine zunehmende Mutlosigkeit bestimmten die meisten Reden (Siehe auch Dokumente der ZEIT). Die Besorgnis war nicht zu überhören, die Vereinten Nationen könnten sich angesichts der Rivalität zwischen den Großmächten, die sie zur Erfolglosigkeit verurteile, auf unpolitische Fragen zurückziehen.

Unverhüllt ließ der amerikanische Präsident Nixon diese Möglichkeit erkennen. In seiner Rede am vorletzten Tag erwies er den Aufgaben und Verpflichtungen der UN zwar eine pflichtschuldige Reverenz, führte aber ihre Krisen eindeutig auf die Gegensätze der Supermächte zurück. Aufgabe der beiden Seiten sei es, diese natürliche Rivalität in produktive Bahnen zu leiten und zu einem friedlichen Wettbewerb auszutragen. Den Vereinten Nationen wies Nixon in diesem Prozeß keine Rolle zu.

Die Zweifel an der Vermittlungsfähigkeit der Vereinten Nationen bestärkte auch der englische Premierminister Heath. In seiner Rede sagte er, der „Kult der politischen Gewalt“ werde auch im Zeichen der atomaren Abschreckung weiter um sich greifen, aber zunehmend innerhalb der Staaten praktiziert werden und somit den Weltfrieden gefährden. Die UN gingen bei ihren Maßnahmen dagegen von der völligen Souveränität ihrer 127 Mitgliedstaaten aus.

Die Jubiläumssitzung endete mit einer leichten Verstimmung: Präsident Nixon hatte die in New York weilenden Regierungschefs zu einem Festessen für den Termin eingeladen, zu dem die Sitzung mit einem Konzert feierlich beschlossen werden sollte.