Für deutsche Unternehmen ist angesichts der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt und des raschen technischen Wandels die Auswahl neuer Mitarbeiter, die Personalplanung und -lenkung sowie die Aus- und Weiterbildung im Betrieb zu einer immer wichtigeren Aufgabe geworden. Sie steht heute vielfach schon gleichwertig neben der Investitionsplanung. Vor diesem Hintergrund hat sich auch die Stellung des Personalleiters im Unternehmen geändert. Dr. Hans Friedrichs, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Personalführung in Düsseldorf, schildert, welcher Wandel sich in diesem Bereich im Verlauf weniger Jahre vollzogen hat.

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde die Frage nach der beruflichen Qualifikation des Leiters des Personalwesens in der Praxis relativ leicht, aber einseitig beantwortet: Man frage nur nach bestimmten Fähigkeiten, mit Menschen umgehen zu können, nach gewissen Persönlichkeitsmerkmalen und nach allgemeinen betrieblichen Erfahrungen. Das Ergebnis war, daß die Leiter des Personalwesens oft erst in einem höheren Alter in diese Position gelangten, aber selten ihren Berufsweg in diesem Unternehmensbereich zurückgelegt hatten. –

Oft wurden hier auch Personen eingesetzt, die ihre bisherige Tätigkeit in anderen Funktionen nicht mehr ausüben konnten; sei es im eigenen Betrieb oder woanders. Es kann deshalb nicht überraschen, daß der berufliche Hintergrund auf diesem Gebiet früher sehr vielfältig war; aber auch das Ansehen und die Einflußmöglichkeiten in diesem Bereich nicht dem gleichen Maße entsprachen, wie es in ähnlichen Positionen des Unternehmens der Fall war.

Nun darf man diese Situation nicht allein negativ sehen, denn die früheren Anforderungen an das Personalwesen waren gemessen an den heutigen relativ unproblematisch und nicht sehr umfassend. Es dominierte die Verwaltungsarbeit und alles drehte sich um die Grundfunktionen der Personalarbeit: beschaffen, einstellen, verwalten und betreuen. Diese relativ einfachen Gegebenheiten beruhten vor allem auf dem damaligen Stand der Technologie, der gesellschaftlichen Entwicklung und dem relativ ergiebigen Arbeitsmarkt. Eine systematische Personalarbeit wurde deshalb oft nur von einer bestimmten Unternehmensgröße an, bei etwa zwei- bis dreitausend Beschäftigten, als notwendig angesehen. Man schätzt aus diesem Grunde die Zahl der Leiter des Personalwesens vor 30 Jahren nur auf ungefähr 500 bis 600.

Heute aber gibt es nach Schätzungen rund 1500 Leiter des Personalwesens, und gleichzeitig hat sich sehr vieles geändert. So sind die heutigen Anforderungen einerseits umfangreicher und gehen andererseits auch mehr von einem wissenschaftlichen oder fachlichen Grundwissen aus. Ein heutiger Personalchef hat es stets auch mit organisatorischen, betriebswirtschaftlichen, psychologischen und soziologischen Problemen zu tun. Außerdem muß das erforderliche Grundwissen in arbeits-, sozial- und tarifrechtlicher Hinsicht sehr umfangreich sein. Es liegt auf der Hand, daß eine Reihe von fachlichen Kenntnissen erworben werden müssen, wenn man hier erfolgreich tätig sein will.

Seit einigen Jahren hat sich deshalb auch die Tendenz durchgesetzt, junge Nachwuchskräfte unmittelbar nach Abschluß der Ausbildung (Lehre, Fachschule oder Universität) die berufliche Laufbahn im Personalwesen beginnen zu lassen. Die heute im Personalwesen tätigen Personen unter vierzig Jahren haben ihre bisherige berufliche Laufbahn deshalb nur hier abgelegt. Das war noch vor zehn Jahren keineswegs üblich und wurde auch schon wegen der Vorstellung vermieden, „man müsse sich erst woanders im Betrieb bewähren“.

Diese Gedanken zeigen, daß damals eben die Personalarbeit im Unternehmen zwar als notwendig, aber trotzdem nicht als sehr bedeutend angesehen wurde. Heute ist das anders. Man ist weitgehend davon überzeugt, daß die betriebliche Personalführung und Personalpolitik ein wesentliches Element in der Unternehmensführung darstellen und sehr entscheidend zum Unternehmensergebnis beiträgt. Die zurückgelegte Entwicklung von der passiven Personalverwaltung zur aktiven Personalführung in der betrieblichen Personalarbeit ist aus diesem Grunde kein Schlagwort, sondern Realität.