Von Hans-Jürgen Hübner

Die Diskussion ist überfällig: Was will die Militärseelsorge? Was kann sie leisten? Wie kann sie Besseres leisten? Hat sie – kirchlich wie politisch – überhaupt noch Sinn und Effekt? In welcher Weise müßte sie eventuell abgelöst werden? Jeder Diskussionsbeitrag ist erwünscht, der das gründliche Durchdenken dieser Fragen fördert. Vermag das eben erschienene Buch

Hans-Dieter Bamberg: „Militärseelsorge in der Bundeswehr – Schule der Anpassung und des Unfriedens“; Verlag Pahl-Rugenstein, Köln 1970; 304 Seiten, 9,80 DM

solchen Erwartungen gerecht zu werden? – Die Positionen, die Bamberg vertritt, sind altbekannt. Die Art, wie Bamberg vorgeht, ist dem sachlichen Austausch von Argumenten kaum förderlich: Er fragt nicht, er stellt nicht engagiert einen eigenen Standpunkt zur Diskussion; der ist vielmehr kaum zu erschließen. Vielmehr greift er aus verschiedensten Ecken an, verklagt, verurteilt, ruft zur Vollstreckung auf – wobei die Aufforderung, die Militärseelsorge zu blockieren, die Verweigerung der Diskussion einschließt.

Gegen den Vorwurf der Einseitigkeit und Verzerrung, der ausführlich belegt werden könnte, sichert er sich ab mit der Behauptung, er habe das Bezeichnende herausgearbeitet, ohne den Leser ernstlich an seinen Denkprozessen teilnehmen zu lassen. Wo jedoch etwas absolut nicht in sein Bild paßt, da. erklärt er es mit der Narrenfreiheit, die dieses System sich gelegentlich leisten könne.

Etwa: Daß auch die Militärseelsorge einbezogen ist in den Klärungsprozeß des Weltkatholizismus, nimmt Bamberg faktisch nicht zur Kenntnis, tut es als unwesentlich ab. Statt dessen läßt er sich ausführlich ein auf Äußerungen des früheren Generalvikars Werthmann aus der Anfangszeit der Bundeswehr. Man mag streiten, was für die heutige Situation bezeichnend ist; der Leser kann sich kein Urteil bilden, wenn er über Wesentliches nicht informiert wird.

Nach dem andersartigen Ansatz der evangelischen Militärseelsorge fragt Bamberg nicht, hat allenfalls eine dünne soziologische Erklärung für die Unterschiede: Für ihn sind sie alle gleich, von den keltischen Druden bis hin zu den vielgestaltigen Repräsentanten ihrer Kirchen in den heutigen Streitkräften.