Michael Jungblut:

Mögen hätten wir schon gern gewollt, nur dürfen haben wir uns nicht getraut.“ Willy Brandt und die zuständigen Minister reagierten wie Kinder, die mit dem Finger im Eingemachten erwischt werden, als die Pläne der Regierung für eine Gewinnbeteiligung in Bonn vorzeitig bekannt wurden.

Kein Kabarett hätte die Vorstellung des Plans treffender inszenieren können, als es dem Kabinett auf der Bonner Bühne gelang. Keinen passenderen Zeitpunkt hätte man für die Aufführung dieser Groteske wählen können, als den ersten Jahrestag der sozialliberalen Koalition. Wieder einmal wurde die größte Schwäche dieser Regierung deutlich: Die Unfähigkeit, ihre guten Absichten der Öffentlichkeit auch gut zu „verkaufen“.

Zunächst erhielt eine Gruppe von Experten von Kanzler Willy Brandt den Auftrag, einen Plan auszuarbeiten. Es ging darum, wie man durch eine Beteiligung der Arbeitnehmer am Gewinn der großen Unternehmen dafür sorgen könne, daß eine breitere Schicht der Bevölkerung als bisher, an dem von Jahr zu Jahr wachsenden Vermögen der deutschen Wirtschaft teilhaben könne.

Der Wirtschaftswissenschaftler Wilhelm Krelle hat in einem Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung errechnet, daß siebzig Prozent des in Handel und Industrie investierten Kapitals nur 1,7 Prozent der Bevölkerung gehören. Ihnen fließt heute automatisch auch der Löwenanteil an dem sich im wirtschaftlichen. Wachstumsprozeß neu bildenden Vermögen zu.

Um hier ein wenig zu korrigieren, erarbeiteten die Parlamentarischen Staatssekretäre aus dem Wirtschafts-, Finanz-, Arbeits- und Innenministerium den Vorschlag, allen Unternehmen mit einem Jahresgewinn ab hunderttausend Mark eine Gewinnabgabe aufzuerlegen. Sie sollte mindestens zwei Prozent des unversteuerten Gewinns betragen und bei einem Jahresgewinn von einer Million und mehr zehn Prozent erreichen.

Diese Mittel sollten nach dem Plan der Staatssekretäre speziellen Investmentfonds zufließen. Beteiligungen an diesen Fonds sollten an Arbeitnehmer mit neunzig Prozent Rabatt abgegeben werden. Man rechnete mit einem jährlichen Aufkommen von vier Milliarden Mark aus dieser Gewinnabgäbe. Auf jeden der Berechtigten zwanzig Millionen deutscher Arbeitnehmer wären somit 200 Mark entfallen – gewiß keine schwindelerregend hohe Summe.