Im Widerspruch zur speziellen Relativitätstheorie, an deren Gültigkeit seit langem kein Zweifel mehr besteht, weil sie sich in unzähligen Experimenten und technischen Anwendungen als zutreffend erwiesen hat, steht eine mathematischastrophysikalische Kalkulation, die zwei britische Wissenschaftler in der Zeitschrift „Nature“ (24. Oktober) veröffentlicht haben.

Man nimmt an, daß pulsierende Radiosignale, die aus der Richtung des Crabnebels, eines wolkenartigen Gebildes in Sternbild Taurus, kommen, von einem Neutronenstern herrühren, dem übriggebliebenen Kern eines vor knapp tausend Jahren explodierten Sterns. Dieses Objekt, das etwa 5000 Lichtjahre von uns entfernt ist und einen Durchmesser von ungefähr fünfzehn Kilometern haben müßte, besteht, so glaubt man, fast ausschließlich aus Neutronen.

Der Neutronenstern rotiert, und weil er einen gebündelten Radiostrahl aussendet, der dieser Rotation wegen die Erde – vergleichbar mit dem Lichtstrahl eines Leuchtturms – in regelmäßigen Abständen überstreicht, macht er sich hier durch pulsierende Radiosignale – als sogenannter „Pulsar“ – bemerkbar. Aus der Frequenz der Radiopulse läßt sich die Rotationsgeschwindigkeit des Neutronensterns ablesen: 33 Umdrehungen pro Sekunde.

Die Astrophysiker S. J. Allen und Geoffrey Endean von der Universität Oxford haben jetzt errechnet, daß mit dem Neutronenstern auch elektrische Felder rotieren, die von seinem ungeheuer starken Magnetismus gehalten, ihn noch in einem Abstand von 3000 Kilometern umgeben. Hier müßte sich ein so schnell rotierendes elektromagnetisches Feld mit einer Geschwindigkeit bewegen, die doppelt so groß ist wie die des Lichtes. Just das aber wäre mit der Relativitätstheorie unvereinbar, nach der die Lichtgeschwindigkeit nicht überschritten werden kann.

Eines von beidem, so meinen die Forscher, müsse deshalb korrigiert werden: die Neutronenstern-Hypothese oder die spezielle Relativitätstheorie. -ow