Von Nina Grunenberg

Das Reisen ist der Rektoren Lust. Seit Monaten ziehen Delegationen der Westdeutschen Rektorenkonferenz (WRK) durch die weite Welt, an der Spitze der Präsident der WRK, Professor Hans Rumpf: Sie grüßen aus Italien und vom Balkan, aus Rußland und Kanada, teils mit, teils ohne Gattinnen. Als sie in der vergangenen Woche aus der Türkei zurückkehrten, wo sie zehn Tage lang einen Besuch türkischer Rektoren in der Bundesrepublik erwiderten, statt zu Hause das Wintersemester zu eröffnen, fragte sich mancher, dem das Schicksal der Hochschulen dunkel ist: Ex oriente lux? Sind die Rektoren noch zu retten?

Sicherlich, den Hang zur Repräsentation, dem in der Pflege internationaler Beziehungen am angenehmsten zu frönen ist, hatten die Rektoren schon immer. Sie paßten sich schließlich der Entwicklung auch insoweit an, als sie auf ihren Reisen den Nachwuchs mit ausführen. Wer wollte schließlich leugnen, daß die jungen Präsidenten Peter Fischer-Appelt aus Hamburg, Rolf Kreibich und Alexander Wittkowsky aus Berlin für das internationale Parkett noch geschliffen werden müssen: Das savoir vivre und die flüssige Beherrschung einer fremden Sprache gehörten, bevor die Assistenten zum Sprung auf den Stuhl des Präsidenten ansetzten, nicht zu ihrem Stundenplan. Was ihre Einführung am internationalen akademischen Hofe angeht, so hat der Nachwuchs allen Grund zur Dankbarkeit, denn auf diesem Gebiet sind die Rektoren tadellose Zeremonienmeister.

Aber die Reiselust der Rektoren trägt vor allem den Charakter einer Ersatzbefriedigung. Während sie im Ausland noch im Winde selbstverständlicher Hochachtung segeln, wittern sie, daß ihnen zu Hause nur Rechnungen aufgemacht, daß ihre Niederlagen gezählt werden und ihre Effizienz als äußerst zweifelhaft gilt.

Es ist unbegreiflich, wie es die WRK dazu kommen ließ, sich in eine so fragwürdige Position hineinmanövrieren zu lassen. Noch vor einem halben Jahr hatte es so ausgesehen, als sei das Gremium ein ernst zu nehmender Partner im hochschulpolitischen Geschäft. Damals hatte die WRK durch ihren konzisen Alternativentwurf zu Leussinks Thesen für ein Hochschulrahmengesetz von sich reden gemacht. Nach den selbstbewußten Ansprüchen, die sie nicht ohne die Attitüde eines praeceptor Germaniae vortrug, hätte jeder es nur als logische Konsequenz begrüßt, wenn das Gremium nun versucht hätte, das einmal durchdachte und zu Papier gebrachte Konzeptpolitisch durchzusetzen. Aber es passierte nichts. Es bewahrheitete sich nur das Bonmot eines Rektors: "Die WRK springt als Löwe in die Luft und kömmt als Bettvorleger wieder herunter."

Ihr Präsident und ihre Vizepräsidenten waren monatelang abwesend. Gesprächsangebote nicht unwichtiger Bundestagsabgeordneter aus den zuständigen Ausschüssen wurden nicht genutzt. Sichtbare Initiativen wurden nicht entfaltet, dafür schien sich in der WRK ein dialektischer Umschlag zu vollziehen. Die Rektoren zehrten plötzlich von dem "beispiellosen Unrecht", das ihnen zugefügt wurde.

Als beispielloses Unrecht verstehen sie es: daß sich der Staat der Selbstverwaltungsaufgaben, der Hochschulen immer energischer annimmt; daß er schneller ist als die WRK; daß die neue Bildungsplanungskommission zwar mit Bund, Ländern und Gemeinden arbeitet, jedoch ohne die Hochschulen; daß die Neuordnung des Beratungs- und Planungswesens auf dem Wissenschaftssektor in vollem Gange ist, aber unter Ausschluß der WRK und ohne ihren Einfluß.