Schillers Preisreferent Karl Bauer reagierte leicht unwirschs "Was glauben Sie wohl, was für eine Liste man zusammenbekäme, wenn man durch die Lande zöge und jede Ankündigung von Preiserhöhungen notieren würde. Ich halte nichts davon, damit Politik zu machen."

Axel Springers Welt dagegen ist anderer Ansicht. Ausgerechnet in dem Hamburger Zeitungskonzern hatten sich nach Feststellungen des Wirtschaftsministeriums in der vergangenen Woche die Meldungen über bevorstehende Preiserhöhungen massiert.

Zwar meldete auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung, daß der starke Lohnanstieg in den kommenden Monaten zu leichten Preissteigerungen führen werde, wobei sie sich allerdings auf Äußerungen der Delegiertentagung der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels bezog. Die Delegierten hatten keinen Zweifel gelassen, daß der durch Lohnerhöhungen folgende Kostendruck nicht länger aufgefangen werden könne, sondern über die Preise abgewälzt werden müsse.

Die Ankündigungen auf bevorstehende Preiserhöhungen betrafen viele Sektoren; Sportartikel sollen im Frühjahr nach den Abschlußgesprächen der Kölner Sportartikelmesse "Spoga" bis zu fünf Prozent teurer werden, nicht jedoch, wie Unkenrufe weismachen wollten, bis zu 15 Prozent. Ähnliche Meldungen bezogen sich auf die Preise für Heizöl, Kohle, Strom, Milch, Auto-Haftpflichtversicherungen. Düngemittel und den Mehlpreis, der unlängst zunächst im Südwesten und in Bayern um 50 Pfennig auf 61 Mark je Doppelzentner (Weizenmehl) erhöht wurde.

Außerdem meint Bauer, daß es bei der deutlich erkennbaren Konjunkturabflachung durchaus nicht sehr wahrscheinlich sei, daß der Kostendruck auf die Preise abgewälzt werde.

Ähnlich wie bei den Strompreisen, dürfte die Regierung bei etwaigen Preiserhöhungen im Bereich der Versicherungen mitreden wollen. Die Erhöhung der Haftpflichtversicherungen für Kraftfahrzeuge muß staatlich genehmigt werden. Preisreferent Bauer jedenfalls nimmt die Ankündigungen über bevorstehende Preiserhöhungen nicht sehr ernst: "Ich halte nicht viel von solchen Ankündigungen. Beruhigendere Dinge wären besser."

Beruhigende Meldungen gab es bislang jedoch nur im Bereich von zwei Konsumgütern: Die Preise von Farbfernsehgeräten werden teilweise um 150 bis 200 Mark gesenkt werden (hierzu auch Seite 46: "Krampf um Krups"). Und auf Grund einer ungewöhnlichen Hähnchen-Schwemme werden Hähnchen derzeit zu so niedrigen Sonderpreisen angeboten, wie es sie in den letzten Jahren nicht mehr gegeben hat, hff