Besser als ihr Ruf

Unternehmer zu sein scheint den Bundesbürgern nicht sehr begehrenswert. Rund 70 Prozent der Bevölkerung – So ergab jüngst eine Studie der Kölner Forschungsstelle für empirische Sozialökonomie (Leitung: Professor Günter Schmölders) – würden lieber darauf verzichten, Unternehmer zu sein, weil sie Verantwortung, Risiko, Arbeit und die Aufregung scheuen. Eine Reihe der Befragten hielt sich zudem für diesen Job einfach nicht geeignet.

Dennoch: Das Ansehen des Unternehmers ist nicht so schlecht, wie häufig angenommen. Der Unternehmer rangiert gleich hinter dem Professor an 2. Stelle in der Prestigehierarchie. Wichtigste Unternehmerkriterien sind Kapitalbesitz und eigenverantwortliche Entscheidung. Nahezu einstimmig – so ergab die Untersuchung der Kölner Sozialökonomen – gilt der Eigentümer und Leiter einer Schuhfabrik als Unternehmer.

Klassenkämpferische Formulierungen sind den Bundesbürgern fremd. Denn 57 Prozent assoziierten – nach dem Bild des Unternehmers gefragt – "Arbeitgeber", "Firmenchef" oder "Geschäftsmann". Nur vier Prozent antworteten mit "Kapitalist" oder "Ausbeuter".

Überraschend deutlich ist das Urteil der Bundesbürger über den politischen Einfluß der Unternehmer, wen auch immer sie dazu zählen. 63 Prozent schreiben ihnen einen großen oder sehr großen Einfluß zu. 19 Prozent glaubten gar, dieser Einfluß habe im letzten Jahr noch zugenommen.

Hier, so scheint es, treffen sich das Bild des Unternehmersin den Augen der Bevölkerung und das Selbstverständnis der Unternehmer. "Das Unternehmen ist ein ganz wesentlicher Faktor in der sozial- und gesellschaftspolitischen Entwicklung", formulierte Otto Eckart, Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Junger Unternehmer (BJU). "Die Zukunft der Marktwirtschaft und unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung hängen davon ab, ob und wie der Unternehmer seine Funktion in Wirtschaft und Gesellschaft und damit in der Demokratie erfüllt."

Um das Unternehmerimage noch weiter aufzupolieren, möchte der BJU, so gelobte ihr Bundesvorsitzender, mit eigenen Vorstellungen zur gesellschaftspolitischen Diskussion beitragen – und offerierte ein "Unternehmensstatut".

Mit diesem "Grundgesetz", einer "Verfassung" für das Unternehmen, will der BJU allen Unternehmern eine Orientierungshilfe an die Hand geben: Das Unternehmensstatut enthält "Regeln für das freiheitliche Zusammenwirken aller Betriebsangehörigen – Unternehmer wie Mitarbeiter." An Stelle des gewerkschaftlichen Mitbestimmungsmodells, dem die jungen Unternehmer "größte Bedenken" entgegensetzen, sieht das Statut die Mitbestimmung des Arbeitnehmers an seinem Arbeitsplatz vor.

Besser als ihr Ruf

Die Zielsetzung im Unternehmen solle nicht nur von der Unternehmensleitung festgelegt werden, sondern Ergebnis von Willensäußerungen und Entscheidungen auf den verschiedensten Ebenen der Unternehmensorganisation sein. Praktische Konsequenzen: Eigenverantwortung des Mitarbeiters für seinen Aufgabenbereich, Bildung von Arbeitsgruppen zur Erarbeitung gemeinsamer Ziele, Recht und Pflicht für jeden Mitarbeiter, sich beruflich aus- und weiterzubilden, gutes betriebliches Informationswesen.

Weniger betriebs-, dafür stärker gesellschaftspolitisch orientiert zeichnet ein ehemaliger Manager das Unternehmer-Bild. Ernst Wolf Mommsen, Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und zuvor Generaldirektor bei Thyssenrohr in Düsseldorf, appelliert an die "gesellschaftliche Verantwortung" der Unternehmer-Manager.

Das moderne Management – so forderte Mommsen in einem Vortrag – ist in seiner Unternehmenspolitik der Umwelt, das heißt der Gesellschaft gegenüber, verantwortlich. Darunter versteht Mommsen nicht nur die Sorge um die Wasser- und Luftverschmutzung in Industriezentren. Die Produktion sollte sich vorrangig auf die Bedürfnisse des Menschen im Sinne einer "maßvollen Entwicklung der Lebensbedingungen des Verbrauchers" ausrichten. Ausschließliche Gewinnmaximierung oder Marktmacht als Leitlinien für unternehmenspolitisches Verhalten wertet Mommsen als Selbstmord des Managements.

Die gesellschaftliche Verantwortung, wie Eckart und Mommsen sie sehen und fordern, mag dem Selbstverständnis der Unternehmer entsprechen. Ob dieses Image allerdings mit der Wirklichkeit übereinstimmt, stellt Mommsen selbst in Frage. Das moderne Großunternehmen bis hin zum multinationalen Konzern ist in Mommsens Darstellung wachsender Kritik auf politischer Ebene ausgesetzt. Diese Kritik verdichtet sich bei einzelnen Unternehmen gar zu dem Argwohn, "daß sie weniger Promoter des Fortschritts als Instrumente des Imperialismus seien". Mommsens Fazit: Jenes Management, das so unbedarft ist zu glauben, mit den Methoden und Einstellungen der Vergangenheit den Forderungen der Zukunft gerecht werden zu können, wird hinweggefegt werden. Gunhild Freese